Triumphmarsch mit Fanfarenkorps in Springe

01.08.2011

DHB-Pokal: HSG hofft auf attraktives Los im Achtelfinale und erste Auswärtspunkte in der 2. Liga

Dem 34:26-Sieg am Mittwoch beim Drittligisten Springe folgt für die Nordhorner morgen die derzeit wohl härteste Auswärtsaufgabe in der 2. Liga: Der VfL Bad Schwartau dominiert daheim seine Gegner.

Das Freie Fanfarenkorps Alt Laatzen heizte in Springe über 60 Minuten die Pokal-Stimmung an. Doch am Ende waren es die gastgebenden Handballfreunde, denen in der dritten Runde des DHB-Pokals von der HSG Nordhorn-Lingen der Marsch geblasen wurde. Der Grafschafter Zweitligist musste am Mittwoch beim 34:26 (15:12)-Erfolg über den Tabellenführer der 3. Liga Nord dank einer von Beginn an konzentrierten Leistung nur bei 23:22 (49.) eine kritische Phase überstehen. Doch weil die Nordhorner Nerven und Übersicht behielten, strebten sie über 25:22 (50.) und 28:23 (54.) dem Acht-Tore-Sieg entgegen.

So richtig aufregen musste sich Trainer Heiner Bültmann da nur, als Toon Leenders kurz vor der Pause zum zweiten Mal ein Wechselfehler angekreidet wurde, der den Niederländer zum zweiten Mal für zwei Minuten auf die Bank zwang. „Die erste Entscheidung war korrekt, die zweite war ein Witz“, berichtete Bültmann, der sich daraufhin ein hitziges Wortgefecht mit Kampfgericht und Schiedsrichtern lieferte. „Da war ich richtig sauer“, sagte Bültmann, der sich nach dem ersten Schnitzer eigens an die Wechselmarke gestellt hatte, um darauf zu achten, dass alles korrekt sei.%break%

Das erste kleinere Scharmützel hatten sich beide Trainer schon vor dem Spiel geliefert. Weil Bültmann in einem Zeitungsinterview gesagt hatte, sein Kader sei nicht so breit aufgestellt wie der der Springer, hatte sich deren Spielertrainer Sven Lakenmacher zu einem verbalen Konter veranlasst gesehen. „Er kann mal beim Training vorbei kommen“, sagte der Ex-Nationalspieler in Richtung Bültmann, „dann kann er meinen breiten Kader sehen. Wenn die A-Jugendlichen nicht so toll mitziehen würden, könnte ich nicht mal Fünf gegen Fünf spielen.“ Doch rund ums Spiel gingen die beiden Übungsleiter kollegial miteinander um. „Wir haben uns vorher und nachher ganz freundlich unterhalten“, sagte Bültmann, „da gab’s keinen Ärger.“

Nach einem brisanten Schlagabtausch sah es auch im Spiel zunächst nicht aus, weil die HSG mit einer 8:1-Führung (14.) einen optimalen Start erwischte. Sie agierte im Angriff mit Geduld und Übersicht und hatte in Flügelspieler Pavel Mickal (11) und Rückraumspieler Nils Meyer (8) zwei herausragende Werfer, die von der linken Seite für mehr als die Hälfte der Treffer sorgten. Und weil die Nordhorner auch in der Abwehr nichts anbrennen ließen, können sie nun gespannt der Auslosung des Achtelfinales am Sonntag entgegen blicken. Für die Defensive mit einem herausragenden Torhüter Björn Buhrmester hatte Bültmann ein Sonderlob parat. Insbesondere, dass Spielmacher und Innenverteidiger Stephan Wilmsen trotz eines Magen-Darm-Virus durchgehalten hat, nötigte dem Trainer noch mehr Respekt ab. Schließlich sei die Belastung für Wilmsen „ganz hart“ gewesen, da er Leenders nach dessen zweiter Zeitstrafe bis kurz vor Schluss lieber nicht mehr in der Abwehr einsetzte, um keine Rote Karte zu riskieren.

Für die Auslosung am Sonntag in Berlin (ab 17.10 Uhr live auf Sport1) hoffen die Nordhorner nun, dass ihnen Hertha-Trainer Markus Babbel ein Heimspiel gegen einen der vier anderen Zweitligisten (Bad Schwartau, Emsdetten, Dessau-Roßlau, Bergischer HC) zulost. Auch ein Ehemaligentreffen mit Daniel Kubes (THW Kiel), Torsten Jansen (HSV Hamburg), Tobias Karlsson (SG Flensburg-Handewitt) oder Bjarte Myrhol und Börge Lund (Rhein-Neckar Löwen) wäre reizvoll. Die Zweitligisten haben im Achtelfinale das letzte Mal automatisch Heimrecht, sofern sie auf einen Erstligisten treffen. Drittligist HSG Gensungen-Felsberg könnte bis zum Final Four auf den Heimvorteil bauen.

Doch erst einmal nehmen die Nordhorner das nächste Ligaspiel beim VfL Bad Schwartau (Sbd., 19 Uhr, Hansehalle Lübeck) ins Visier, für Bültmann „die derzeit undankbarste Auswärtsaufgabe der Zweiten Liga“. Die Schleswig-Holsteiner haben ihre Pokal-Aufgabe gegen den Süd-Zweitligisten TV Korschenbroich (36:31) souverän gelöst und daheim auch alle fünf Punktspiele dieser Saison souverän gewonnen. „Die gewinnen nicht nur ihre Heimspiele, sondern dominieren sie auch“, sagt Bültmann, dessen Team jedoch nach den Siegen gegen Emsdetten und Springe auf die ersten Auswärts-Punkte der Saison brennt.

von Frank Hartlef