Montag, 06.12.2010

HSG behält kühlen Kopf


Nordhorn kontert Rostocker Aufholjagd und gewinnt 37:33

Der Neun-Tore-Vorsprung der Grafschafter war bis auf zwei Treffer zusammen geschmolzen. Doch die Konterchance zum Anschlusstreffer vergaben die Gäste kläglich – da holte die HSG zum Gegenschlag aus.

Rene Gruszka konnte es nach der 33:37 (14:22)-Niederlage bei der HSG Nordhorn-Lingen kaum fassen. „Ich könnte mich selbst prügeln“, ärgerte sich der Rechtsaußen des SC Empor über seinen Schnitzer in der 58. Minute, der gestern Abend eine furiose Aufholjagd der Rostocker Handballer im Zweitligaspiel vor nur 1106 Zuschauern im Euregium abrupt beendete. Nach einem Rückstand von bis zu neun Toren (21:30/42.) hatten sich die Gäste auf 32:34 (57.) heran gekämpft. Und in Überzahl liefen sie einen Gegenstoß, doch ausgerechnet Michal Bruna, der mit zwölf Toren großen Anteil daran hatte, dass die Mecklenburger nach einer ziemlich verkorksten ersten Halbezit (14:22) doch noch auf ein Erfolgserlebnis hoffen durften, spielte seinem Kollegen Gruszka einen äußerst schlecht getimten Pass zu und dem Flügelspieler glitt der auf Knöchelhöhe ankommende Ball ins Aus. „Das Ding muss ich trotzdem fangen“, nahm er die Schuld auf sich, dass die Nordhorner die Chance zum Gegenstoß bekamen, die Pavel Mickal zum 35:32 (58.) nutzte. Und als Sven Thormann mit dem nächsten Wurf am starken HSG-Torhüter Björn Buhrmester scheiterte, spurtete Toon Leenders davon und der niederländische Kreisläufer traf zum 36:32 (58.) für die Gastgeber – die Entscheidung.

„Es hätte noch einmal eng werden können, wenn Bruna nicht diesen Pass gespielt hätte“, trauerte Empor-Trainer Gunter Funk der verpassten Chance hinterher. Und auch sein Nordhorner Kollege Heiner Bültmann wusste: „Das war die entscheidende Szene.“ Hätte sein Team in Unterzahl den Anschlusstreffer bekommen, grübelte der HSG-Trainer, „wäre es verdammt schwer geworden.“%break%

Und das nach einer ersten Halbzeit, wie man sie besser kaum spielen kann: mit einem erneut herausragenden Björn Buhrmester im Tor, einer von Kapitän Stephan Wilmsen glänzend postierten Abwehr und einem absolut treffsicheren Torjäger Nils Meyer, der vor der Pause sieben seiner acht Tore erzielte und aus jeder noch so schwierigen Wurfposition den Ball ins Netz bugsierte. Indes brachten sich die Rostocker mit völlig missratenen ersten 20 Minuten in die Bredouille. „Wir waren wie paralysiert“, beschrieb Bruna die Phase, als die Nordhorner mit klug eingefädelten Angriffen immer wieder leichtfüßig durch die Empor-Deckung marschierten und von jeder Position traumhaft sicher abschlossen, während sich die Rostocker am Abwehr-Bollwerk vor Buhrmester die Zähne ausbissen. „Da steckten sieben Stunden Busfahrt in den Knochen und wir waren gar nicht auf dem Parkett“, lautete der Erklärungsversuch von Funk, dessen Team ab der 20. Minute auch noch ohne den verletzten Kreisläufer Jens Dethloff auskommen musste.

Einen jähen Bruch erlitt jedoch das gute Spiel der Nordhorner: Der Neun-Tore-Vorsprung (30:21/42.) schmolz immer mehr dahin bis die Differenz nur noch zwei Treffer betrug (34:32/57.): Zwischen der 43. und 53. Minute blieben sie sogar ganz ohne Torerfolg. Dass sein Team dennoch wieder die Kurve bekam und gegen einen direkten Konkurrenten um die Qualifikation für die eingleisige 2. Liga einen letztlich verdienten Vier-Tore-Sieg einfuhr, ist für Meyer jedoch ein ganz besonderes Qualitätsmerkmal: „Das zeichnet uns halt aus, dass wir in so einer Situation nicht den Kopf verlieren.“

von Frank Hartlef