34:33 - HSG beweist erneut starke Nerven

01.08.2011

Nordhorn verbessert sich dank neuntem Saisonsieg in Edewecht auf Platz vier – Angriff trumpft auf

Bis die HSG Nordhorn-Lingen am Sonnabend beim VfL Edewecht mit 34:33 (18:16) den zweiten Auswärtssieg dieser Handballsaison endgültig gesichert hatte, wurden die Nerven beim Grafschafter Zweitligisten arg strapaziert. „Und das wieder mal nicht zu knapp“, atmete Trainer Heiner Bültmann erleichtert auf. Erst als Torhüter Björn Buhrmester fünf Sekunden vor dem Ende den letzten Wurf des Edewechters Robert Delinac, mit elf Feldtoren der herausragende Werfer des Spiels, gerade noch um den Pfosten gelenkt hatte, konnten Spieler und Trainer der HSG durchpusten und sich von ihren mitgereisten Fans feiern lassen.

485 Zuschauern in der Breeweg-Halle lief in der packenden Schlussphase ein Schauer nach dem anderen über den Rücken. Bei 32:28 (54.) schienen die Nordhorner geradewegs auf ihren neunten Saisonsieg zuzusteuern. Doch als die Ammerländer zu einer Manndeckung gegen HSG-Spielmacher Stephan Wilmsen übergingen und die Schiedsrichter einige Entscheidungen trafen, mit denen die Gäste nicht einverstanden waren, so Bültmann, „konnte man merken, wie es in den Köpfen anfing zu rattern“. Bei 32:32 (58.) versuchte der HSG-Trainer die Talfahrt mit einer Auszeit zu stoppen und redete seinen Spielern ins Gewissen, wieder mit mehr Mut den Torabschluss zu suchen.

Einer nahm sich die Worte des Trainers besonders zu Herzen: Nils Meyer. Erst zirkelte er ein Anspiel auf Einar Ingi Hrafnsson, der vom Kreis zum 33:32 (59.) traf. Und nach dem neuerlichen Ausgleich des VfL entschloss sich der Nordhorner Rückraumspieler zu einem Wurf und traf 52 Sekunden vor dem Ende zum 34:33. Diesen Vorsprung retteten die Gäste trotz Unterzahl über die Zeit, nachdem Hrafnsson wegen seiner dritten Zeitstrafe 19 Sekunden vor Schluss die Rote Karte erhalten hatte.%break%

„Nils hat in der entscheidenden Phase viel Verantwortung übernommen“, würdigte Bültmann den fünffachen Torschützen. Ein besonderes Lob verdienten sich auch Matthias Struck (6 Tore) und Bobby Schagen (9/3), die mit ihren Toren vor allem in der ersten Halbzeit großen Anteil daran hatten, dass ihr Team nach einem 5:8-Rückstand (11.) besser ins Spiel fand und über 10:10 (17.) eine Führung von bis zu vier Toren erspielte (18:14/29.). „Der Angriff war erste Halbzeit überragend“, lobte Bültmann. Daran hatten auch mit insgesamt neun Toren die Kreisläufer Hrafnsson (4) und Toon Leenders (5) ihren Anteil.

Doch die Edewechter ließen sich nicht abschütteln, glichen bei 18:18 (34.) erstmals wieder aus und machten erneut einen Vier-Tore-Rückstand wett, als sie sich von 28:32 auf 32:32 heran tasteten. Das Manko der HSG war am Sonnabend die Abwehr, die in den Spielen zuvor so sicher gestanden hatte. Im Laufe des Spiels wusste sich die 6:0-Deckung zwar zu steigern. „Aber so richtig gut wurde es nicht“, kritisierte Bültmann.

Dafür zeigte er sich von der mentalen Stärke seines Teams um so beeindruckter: „Es zeichnet uns aus, dass wir in der entscheidenden Situation die Nerven behalten.“ Zudem freut es ihn, das seine Mannschaft immer stabiler wird. Diese Entwicklung wird auch von der Statistik belegt: Nach einem Start mit 7:7 Punkten holte die HSG zuletzt 13:3 Zähler und verbesserte sich auf Platz vier. Kein Grund, um abzuheben, wie Bültmann findet: „Wir sind nicht nervös geworden, als wir Achter waren, und werden jetzt auch nicht euphorisch.“ Doch als schwungvoller Anlauf für das DHB-Pokalachtelfinale am Mittwoch gegen Erstligist MT Melsungen (19.30 Uhr, Euregium) taugt die Serie allemal. „Das ist ein Alles-oder-nichts-Spiel“, sagt Bültmann, „das macht immer Spaß.“

von Frank Hartlef