“Von Anfang an wohlgefühlt!” – Keeper Jonas Maier im Interview

13.10.2021

„Wer steht denn da heute im Tor?“, werden sich einige der Zuschauer im Euregium am Sonntag gefragt haben. Ravensbergen noch länger verletzt, Buhrmester auch nicht da, und Bartels als Ersatzkeeper im Aufgebot. Tja, seine Bewährungsprobe im HSG-Kasten erlebte unser kurzfristiger Neuzugang Jonas Maier (27)! Lest gern unser Interview mit dem sympathischen Goalie:

Hallo Jonas, zunächst zu deiner Kindheit und Jugend: Wo bist du geboren und aufgewachsen? Und wie ging es mit dem Handball los?

„Ich wurde in Schwetzingen bei Heidelberg geboren. Genau dazwischen liegt Plankstadt – da bin ich aufgewachsen. Eine sehr schöne Gegend, da lässt sich’s gut aushalten. Mit 9 Jahren bin ich mit dem Handball angefangen, nachdem ich zuerst beim Fußball war – übrigens in beiden Sportarten gleich als Torwart.“

Und schon in der Jugend bist du dann zu den Rhein-Neckar Löwen gewechselt, was ja nahelag ...

„Ja, ich war in einer Auswahlmannschaft, und unser Trainer war auch bei den RN Löwen. Und so Ende C-/Anfang B-Jugend war ich dann selbst Teil der Löwen-Familie. Das Trainingszentrum war in Kronau, gewohnt habe ich aber weiter zu Hause.“

Über die Junglöwen bist du dann später auch in die Löwen-Senioren gerutscht ...

„Erst habe ich in der 2. Mannschaft gespielt. Als sich Henning Fritz dann verletzte, durfte ich mit der Bundesligamannschaft trainieren und bekam unter Trainer Ola Lindgren auch meine ersten Einsätze. Plötzlich stand ich mit meinen Kindheitsidolen auf der Platte. Andererseits war bei der großen Konkurrenz klar: Wenn ich meinen Traum erfüllen wollte, Handballprofi zu werden, musste ich woanders hingehen.“

So ging es für dich mit 19 Jahren in die Schweiz ...

„Ja, Markus Baur kannte ich als Trainer aus der Junioren-Nationalmannschaft. Dort war ich übrigens auch schon auf Luca de Boer, Nils Torbrügge und Julian Possehl getroffen. Also, Baur wurde Trainer in Schaffhausen und überzeugte mich, die Herausforderung dort anzunehmen. Und daran bin ich auch wirklich gewachsen. Zudem gewannen wir diverse Titel und spielten Champions League.“

Und dann kam das Angebot aus Lemgo ...

„Ich traute mir den Schritt in die Bundesliga zu. Dann kam das Angebot aus Lemgo, wo Markus Baur ja eine Legende ist, und ich habe sofort zugesagt. Und es war richtig, dort hinzugehen: Ich bekam viel Spielzeit dort, eine Menge Bundesligapraxis. Zudem lernte ich in Lemgo meine Freundin kennen. Und heute kann ich sagen, dass Lemgo eine zweite Heimat für mich geworden ist.“

Trotzdem zogst du nach zwei Jahren weiter nach Stuttgart ...

„Ich musste mich entscheiden, zu verlängern oder nach Stuttgart zu gehen. Ich suchte auch die Sicherheit, etwas Langfristiges. Zudem lockte mich die Nähe zur Heimat, wo meine Familie lebt. Und es reizte mich auch, in Konkurrenz zu Jogi Bitter zu treten. Trotzdem: Im Nachhinein war es womöglich eine Fehlentscheidung, von Lemgo wegzugehen.“

Inwiefern?

„Ich schaue auf die zwei Jahre in Stuttgart mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mit meiner Freundin zog ich in die erste gemeinsame Wohnung, sie lernte auch den Süden kennen und lieben. Doch sportlich lief es für mich nicht so gut. Jogi Bitter hatte so eine Konstanz im Tor, das hatte ich noch nicht gesehen. Ich habe wenig gespielt und kaum Praxis bekommen. Da kam das Angebot aus Bietigheim gerade recht.“

Jetzt sind wir schon vor der Saison 2019 ...

„Ja, Bietigheim war gerade abgestiegen und hatte das Ziel Wiederaufstieg, da wollte ich unbedingt mithelfen und es lief auch gut. Doch Anfang 2020 kam es anders. Bietigheim holte Torwart Aron Eðvarðsson aus Hamburg zurück, dafür wechselte ich im Tausch dorthin. Das war keine leichte Zeit, doch ich wollte mich dort beweisen. Wir gewannen auch gleich das erste Heimspiel – ausgerechnet gegen Bietigheim. Allerdings war ich dann nur drei Wochen in Hamburg, denn dann kam Corona und die Saison wurde abgebrochen.“

Und danach ging die Hamburger Aufstiegssaison los, und du warst mittendrin ...

„Ja, mein Vertrag war verlängert worden, und ich habe zunächst viel gespielt. Es lief unerwartet gut, wir hielten den Druck von uns weg und am Ende stiegen wir auf. Dabei zu sein, war ein Riesenerlebnis. Auf der anderen Seite holte der Club in der Winterpause mit Jens Vortmann noch einen Keeper aus Wilhelmshaven, und meine Spielanteile wurden weniger.“

Der Wechsel von Jogi Bitter nach Hamburg machte die Sache dann noch schwieriger ...

„Ganz klar. Irgendwann kam ein Anruf von Jogi Bitter aus Stuttgart – wir kennen uns ja gut, und mit ihm war es immer sehr kollegial und freundschaftlich. Er kündigte mir an, nach Hamburg zu wechseln. Als Jens Vortmann dann noch einen langfristigen Vertrag erhielt, wusste ich, dass es sehr schwer werden würde. Und so kam es auch: In der Vorbereitung machte ich noch ein paar Spiele, aber in der Bundesliga bekam ich keine Spielzeiten mehr und sah mir die Partien auf der Tribüne oder vor dem Fernseher an.“ 

So kam es Mitte September dann zum Kontakt mit unserer HSG ...

„Bart war verletzt und die HSG auf der Suche nach kurzfristigem Ersatz. Über meinen Berater kam dann der Kontakt zu Daniel zustande. Ich kam Mitte September für zwei Tage zum Probetraining und sehr früh war klar: Das passt für beide Seiten. Übrigens war ich da zum ersten Mal in Nordhorn, das Euregium hatte ich vorher noch nicht von innen gesehen. Es gab noch einiges zu klären, und am Ende hat alles super geklappt.“

Wie waren deine ersten Eindrücke?

„Ich vergleiche Nordhorn ein bisschen mit Lemgo, es ist viel kleiner, ländlicher als in Stuttgart oder Hamburg, und der Verein ist sehr familiär. Die Mannschaft selbst und das ganze Umfeld haben es mir sehr leicht gemacht, ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt. Ich wollte wieder Handball spielen und bin sehr dankbar für die Möglichkeit hier.“

Als du in deinem ersten Spiel in Hamm reinkamst, hast du gleich einen 7-Meter gehalten ...

„Das stimmt, aber letztlich konnte ich auch nicht dazu beitragen, dass wir das Spiel noch drehen.“

Und wie lief das am Sonntag ab, als du Björn Buhrmester vertreten hast?

„Björn und ich gehen sehr offen miteinander um und er hat mir von Tag 1 an gezeigt, wie der Hase hier läuft. Am Sonntag rief er mich mittags an und sagte, dass er mit Grippe im Bett liege. Und so kam es dazu, dass ich in Nordhorn meinen Einstand gab. Und auch mit Bart ist es super, zum Beispiel ist er in der Halbzeit auf mich zugekommen und hat mir Tipps gegeben, das war sehr cool.“

Im Spiel hast du dann zwei Tore geworfen – ist dir das schon mal gelungen?

„Nein, bisher noch nicht. Trotzdem: Das Team hätte noch mehr Unterstützung von uns Torhütern gebraucht, dann hätten wir das Spiel wohl früher für uns entscheiden können. Da ist noch Luft nach oben. Auf jeden Fall haben wir eine tolle Moral und Kampfgeist gezeigt. Und am Ende hat die Mannschaft, die’s am meisten wollte, gewonnen.“

Lieber Jonas, wir heißen dich noch einmal willkommen in unserer HSG-Familie! Egal, ob du nur für drei Monate oder womöglich länger bei uns bist, wünschen wir dir – privat, handballerisch und darüber hinaus, auch für dein Sportbusiness Management Studium – von Herzen alles Gute! 

(B. Liene)