Schon als Kind immer nur im Tor

01.08.2011

Buhrmester ist Nr. 1 der HSG

Für den 26 Jahre alten Handball-Torwart ist die HSG Nordhorn-Lingen seine erste Station außerhalb Ostwestfalens. Am kommenden Sonntag (17 Uhr) spielt er mal wieder in seiner Heimatstadt Minden – mit der HSG gegen den Zweitliga-Tabellenführer aus dem Stadtteil Dankersen.

In allen 36 Pflichtspielen der Saison 2009/10 stand Björn Buhrmester für die HSG Nordhorn-Lingen auf der Platte, auch in der laufenden Spielzeit hat er in der Liga und im Pokal noch nicht einmal gefehlt. Und dann fängt sich der 26-jährige Handballer ausgerechnet jetzt einen Infekt ein, vier Tage vor dem Gastspiel des Nordhorner Zweitligisten in seiner Heimatstadt. „Björn musste am Vormittag das Krafttraining abbrechen", berichtete HSG-Trainer Heiner Bültmann gestern Nachmittag, nach einem Arztbesuch fiel die abendliche Handball-Einheit für den Torwart aus. „Das ist noch nicht oft passiert", blickt der Coach zurück. Immerhin: Bis zum Spiel am Sonntag bei GWD Minden wird „Burmi" wohl wieder gesund werden.%break%

Für Buhrmester wäre es ganz besonders schade, könnte er in der Kampa-Halle nicht im Tor stehen. „Ich bin in Minden geboren. Am Sonntag werden meine Familie und viele Bekannte zuschauen", weiß der Keeper. Die ersten Bälle gehalten hat er aber nicht beim traditionsreichen TSV Grün-Weiß Dankersen, sondern beim VfB Holzhausen vor den Toren Mindens. „Die ganze Familie war handballverückt, Mein Vater, Opa und die Cousins haben gespielt, Onkel Jens Buhrmester sogar mit GWD in der Bundesliga", zählt er auf. Da ist es kein Wunder, dass Buhrmester nicht Fußball oder Tennis spielt, sondern Handballprofi wurde.

Von Beginn an suchte er den Platz zwischen den Pfosten. „Ich erinnere mich an ein einzige Partie, in der ich im Feld gespielt hab'", sagt der 26-Jährige. Sein Talent im Tor zeigte sich früh, und seine Mannschaften sammelten Titel: Mit dem TSV Hahlen, für den er ab der B-Jugend spielte, gewann er 2001 die westdeutsche Jugend-Meisterschaft und den zweiten Platz bei den deutschen Titelkämpfen, zwei Jahre später wiederholte er diese Erfolge mit der A-Jugend von GWD Minden.

Beim Traditionsklub aus Dankersen fand Buhrmester auch in den ersten Jahren im Seniorenbereich seine sportliche Heimat. Und dort spielte sich als dank guter Leistungen in den Kader der Bundesliga-Truppe. „Schade, dass von den Leuten, mit denen ich damals zusammen gespielt habe, heute keiner mehr dabei ist", sagt Buhrmester. Ehe er 2008 zum ostwestfälischen Nachbarn TuS N-Lübbecke wechselte, gehörten immerhin die aktuellen GWD-Handballer Georg Auerswald und Jannis Helmdach zum erweiterten Kader. Die Kontakte in die Heimat hält Buhrmester aber vor allem über die Familie und seine Freunde abseits des Handballs.

In Nordhorn, seiner ersten Station außerhalb Ostwestfalens, fand sich Buhrmester schnell zurecht. „Natürlich war es anfangs eine Umstellung, nicht mehr zu Hause zu wohnen. Aber ich fühle mich super wohl hier", sagt der Torwart, der in Nordhorn auch seine Freundin kennengelernt hat. Im ersten Jahr bildete er noch mit dem damaligen Mitspieler Michael Jahns eine Wohngemeinschaft auf der Blanke, im Sommer dann bezog er eine eigene Wohnung im Deegfeld. „Ich denke, es gefällt ihm in Nordhorn und in der Mannschaft sehr gut", sagt Heiner Bültmann.

Für den Trainer ist auf Buhrmester als klare Nummer 1 im HSG-Tor Verlass. „Er nimmt diese Verantwortung gut an", lobt Bültmann. Und er sieht die Entwicklung des Torwarts noch lange nicht am Ende: „Er ist ja noch jung, es ist noch einiges von ihm zu erwarten – zumal er sehr seriös und hart an sich arbeitet." Buhrmester, der in Minden zum Industriekaufmann ausgebildet wurde, konzentriert sich im Moment voll auf den Profisport. „Ein Studium ist wegen der Trainingszeiten schlecht möglich", sagt der 1,96-m-Mann, dem aber nicht langweilig wird: „Ich genieße es, wie es im Moment ist."

Ein Erfolgserlebnis am Sonntag in Minden käme ihm da gerade recht. „Es wird aber schwer", weiß Buhrmester, „GWD hat zu Hause noch nicht verloren." Seiner Mannschaft traut er aber noch einiges zu: „Minimalziel ist die 2. Liga, aber wir wollen natürlich so weit oben landen wie möglich."

von Holger Wilkens