Neu bei der HSG

Ein besonderes Trikot für Tarek Marschall

04.08.2022

Der Hochbegabte, das Toptalent, der Gute-Laune-Handballer – in Berichten über Tarek Marschall wimmelt es nur so von überaus positiven und wohlmeinenden Einschätzungen. Seit der 21 Jahre alte Rückraumspieler 2019 vom A-Jugend-Bundesligisten HSG Hanau zum HC Erlangen gewechselt ist, hat er sein großes Potenzial vielfach nachgewiesen und sich stetig weiter entwickelt: Bei der HCE-Reserve war er als bester Torjäger daran beteiligt, die Spitze der 3. Liga zu erklimmen. Und wenn er mit den HCE-Profis in der deutschen Eliteliga antrat, ließ er regelmäßig sein enormes Können aufblitzen.
Nun soll ihm mit einem Zwischenschritt der Sprung zum Erstligaspieler erleichtert werden: Daher hat ihn der fränkische Klub für ein Jahr an die HSG Nordhorn-Lingen ausgeliehen, wo er sich in der 2. Liga das letzte Rüstzeug aneignen soll, um auch eine Etage höher bestehen zu können, wenn er zur kommenden Saison nach Erlangen zurückkehrt – so ist es zumindest geplant.


„Mal schauen, wie es läuft“, sagt Marschall gelassen, der wie in Erlangen bei der HSG Nordhorn-Lingen ins Trikot mit der Nummer 11 schlüpft – das dort seit mehr als 13 Jahren erstmals wieder vergeben wird. Zuletzt trug es Holger Glandorf und als der Weltmeister im Februar 2009 wegen finanzieller Nöte und Zwangsabstieg von der HSG zum TBV Lemgo wechselte, versprach der damalige Vereinsvorsitzende Thomas Kolde: „So lange Holger nicht zurück ist, wird sein Trikot mit der Nummer 11 nicht vergeben.“ Nun ist Glandorf mittlerweile 39 Jahre alt, hat seine aktive Karriere bei der SG Flensburg-Handewitt beendet und dort gerade den Posten des Geschäftsführers übernommen. Da ist mit eine Rückkehr als Spieler kaum noch zu rechnen, sodass man „sein“ Trikot mit der Nummer elf ohne schlechtes Gewissen mal wieder vergeben darf.

Tarek Marschall hat sich in Nordhorn, wo er in der Innenstadt eine Wohnung gefunden hat, „sehr gut eingelebt“, wie er erzählt. Bei anfangs drei Trainingseinheiten am Tag und dem ersten Auswärtstrip am vergangenen Wochenende zum Sparkassen-Cup in Altensteig war er allerdings nur selten daheim anzutreffen. Und seit dem 1. August kommt auch noch die Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann dazu, die er in Erlangen begonnen hat und nun im zweiten Lehrjahr in der Neuenhauser Physiotherapiepraxis Lüke & Vrielmann fortsetzt.


Die Profikarriere vorantreiben, den Alltag im Beruf bewältigen und die im Haushalt anfallenden Arbeiten erledigen – da hat der 21-Jährige einiges zu tun. Dazu die ehrgeizigen sportlichen Ziele: Seinem neuen Team will er bestmöglich helfen, um die erhoffte Rückkehr in Liga eins zu schaffen und persönlich wolle er besser werden, „in allen Bereichen“, wie er sagt. Raul Alonso, sein Trainer und Sportdirektor in Erlangen, sieht da vor allem bei der Athletik Potenzial. Kräftiger werden, ohne an Schnelligkeit zu verlieren, lautet der Auftrag an seinen Schützling, der bei 1,91 m Körperlänge knapp 80 kg auf die Waage bringt. Bei der Abwehrarbeit könne er noch dazu lernen und der Spieler selbst würde auch bei der Spielübersicht gerne noch zulegen.

Marschall kann als Spielmacher und auf der linken Rückraumseite eingesetzt werden. Und dass er beim Sparkassencup auch erfolgreich auf dem linken Flügel der HSG aushalf, zeigt, wie variabel der Rechtshänder ist. Dass ihm einmal so eine Karriere offenstehen würde, war bis vor ein paar Jahren nicht absehbar. Zwar hatte er mit vier, fünf Jahren, als er in seinem Heimatverein vom Kinderturnen zum Handball wechselte, früh begonnen. Und nachdem er als Zehnjähriger zur HSG Hanau gewechselt war, hatte er sich stets glänzend behauptet, debütierte schon als 16-Jähriger in der A-Jugend-Bundesliga. „Aber ich habe nie an eine Profi-Laufbahn gedacht“, erzählt er. Schließlich hatte es nicht einmal für die Hessen-Auswahl gelangt.

An seinen Leistungen kann es kaum gelegen haben. Vor allem als in Hanau Hannes Geist sein Trainer wurde, der sein Potenzial erkannte und förderte, ging es voran. Schon als A-Jugendlicher debütierte er im Drittliga-Team – an der Seite seines Trainers, der auf der gleichen Position spielte. „Er hat mir wertvolle Tipps gegeben und mich vorangebracht“, sagt Marschall dankbar. Und als er noch von einer Karriere in der 3. Liga träumte, kam der Anruf aus Erlangen, wo sie auf den Torschützenkönig der A-Jugend-Bundesliga aufmerksam geworden waren.

Nun will der Hesse, der Fan der Fußballer von Eintracht Frankfurt ist, bei der HSG den nächsten Karriereschritt angehen: „Der Blick geht nach oben“, sagt er, ist aber realistisch: „Es wird auch Rückschläge geben.“