Ein Sieg und viele, viele Emotionen beim Saisonfinale

Dem 28:23 gegen Minden folgt der Abschied von HSG-Legenden

01.06.2024

Diesem Spielbericht folgt ein ausführlicher Abriss der nach dem Spiel erfolgten Verabschiedungen – wir wünschen noch einmal viel Spaß beim Nach-Erleben. Und damit werden wir „live": Samstagabend, 17:45 Uhr. Sören Menke, der heute wieder als Hallensprecher amtiert, ist schon voll in seinem Element, begrüßt die sehr zahlreich erschienenen GWD-Fans – es dürften an die 100 sein – weist auf die unmittelbar bevorstehenden Verabschiedungen und die von der Äppler Crew vorbereitete Choreo hin. Und schon geht es los mit den „Good-Byes": Robin Leunissen, Jakub Stryc, Nebosja Simovic, Johannes Wasielewski, Joscha Ritterbach, Jorit Reshöft sowie Alex Feld holen sich nacheinander ihr Geschenk aus den Händen von Geschäftsführer Stroot und noch einmal einen mehr als verdienten ganz persönlichen Applaus ab.

Luca de Boer – seit Anfang der Woche wieder im Mannschaftstraining – hat es geschafft und steht noch einmal im Kader. Das gilt bei seinem letzten Auftritt im HSG-Trikot auch für Dennis Bartels, der erneut für Ivan Budalic als zweiter Torwart dabei ist. Sportlich sehr schmerzhaft ist das verletzungsbedingte Fehlen von dem zuletzt überragend performenden Maxi Lux, der von Sander Visser auf Rechtsaußen ersetzt wird. Der Gast aus Minden, welcher von den vergangenen elf Partien nur eine verloren hat, ist personell arg gebeutelt und hat nur 13 Akteure im Aufgebot. Immerhin geht es für die Ostwestfalen sportlich um „nichts" mehr. Der Klassenerhalt, um den die Grün-Weißen im Frühjahr noch zu bangen hatten, ist wegen ihrer ausgezeichneten Rückrunde längst gesichert.

Zum letzten Mal rufen die Zuschauer in voller Lautstärke die Namen von Terwolbeck und Co. In der EmslandArena ist was los! Und dazu tragen auch die gut gelaunten Gästefans bei. Rein in die Partie: 0:1 – der GWD-Angreifer hat die Lücke gefunden. Semisch hält, Buhrmester hält, der nächste Wurf geht über das Tor, das 0:2 fällt aus dem Rückraum. Das Spiel ist zerfahren und auf beiden Seiten noch recht fehlerbehaftet … Firnhaber erzielt das erste Tor für die Roten: 1:2 (6.). Bis zum 1:3 aus dem Rückraum dauert es nur Sekunden. Dann: 7-Meter. Lux fehlt, den Ball schnappt sich Pöhle: 2:3. Buhrmester hält, doch der Abpraller landet bei den Gästen: 2:4. Pöhle antwortet: 3:4. Terwolbeck setzt Firnhaber sehenswert in Szene: 4:4. Das 4:5 lässt nicht lange auf sich warten – immer wieder finden die Gäste die Lücken in der HSG-Deckung. Ritterbach macht's nun kunstvoll: Der Ball „trudelt" zum 5:5 über die Linie (11.).

5:6 – wieder aus dem Rückraum. Der junge Hermeling steht schon bei vier erzielten Treffern. Pöhle tritt wieder zum 7-Meter an … kein Keeper in der Liga hat mehr davon gehalten als Semisch für GWD … doch das ist der erneute Ausgleich. Simovic erkämpft sich den Ball, Kalafut wird freigespielt und bringt sein Team erstmals in Front: 7:6. Dann pariert Buhrmester bravourös, doch das +2 fällt noch nicht. Stattdessen kommen die Ostwestfalen über Rechtsaußen zum Ausgleich: 7:7. Das 8:7 durch Kalafut nach Anspiel von Firnhaber ist gut anzuschauen. Dann wird's ärgerlich: Als die Mindener nur noch einen Pass zur Verfügung haben, unterläuft Pöhle ein Foul, das die Referees mit einer Zeitstrafe ahnden. Das 8:8 ist die direkte Folge. Semisch hält und wirft den Ball direkt über 40 Meter ins leere Tor – der Gast führt wieder: 8:9. Auszeit (19.).

Marschall steigt hoch und trifft, doch Minden antwortet Sekunden später und ist schon wieder am Ball. Dann muss Wasielewski auf die Strafbank. Den zusätzlich verhängten 7-Meter verwandelt U21-Weltmeister Kranzmann: 9:11. Marschall tankt sich durch und ist unaufhaltsam: 10:11. Eine Zeitstrafe gegen GWD gibt's on top. Dann wirft Pöhle dem Keeper den Ball durch die Beine: Das 11:11 ist sein viertes Tor. Buhrmi hält einen „Freien", es geht schnell auf die Gegenseite und Simovic netzt ein: 12:11 (sein 50. Tor für Nordhorn-Lingen) – die HSG liegt wieder vorn! Auszeit (24.).

Die Abwehr der Roten arbeitet wieder mit voller Kraft und Manpower! Dann muss der Wurf erfolgen, Buhrmester hält, es geht schnell und Marschall erhöht auf 13:11. Minden bleibt dran, das 13:12 fällt wieder von Rechtsaußen. Terwolbeck wird bei einem Durchbruch gefoult – wieder 7-Meter. Pöhle scheitert an Semisch, erkämpft sich den Abpraller und erhält einen Wischer ins Gesicht, doch auf eine Zeitstrafe verzichten die Unparteiischen. Wasielewski ist's egal: 14:12. Das 14:13 fällt von der Strafwurflinie – noch zwei Minuten. De Boer ist nun auf der Platte … kaum geschrieben, erzielt er auf Pass von Kumpel Terwolbeck per sehenswertem Heber das 15:13. Minden schlägt prompt zurück: 15:14. Zwar trifft Wasielewski noch einmal, doch die Referees entscheiden, dass der Ball zu spät im Netz war – es bleibt beim knappen +1 zur Pause. Die HSG rackert, doch mit seiner erfolgreichen Serie im Rücken hält das dezimierte Team von GWD Minden dagegen – es bleibt spannend. Übrigens: Der TV Hüttenberg, Konkurrent um den für den DHB-Pokal berechtigenden Platz 10 – liegt zeitgleich mit 10:14 gegen Potsdam in Rückstand.

Weiter geht's: Seidel startet nun auf Linksaußen. Das 16:14 gelingt Wasielewski nach Ballgewinn und Tempogegenstoß. Buhrmester mit seiner sechsten Parade, Wasie mit dem 17:14 – erstmals führt die HSG mit drei Toren. Allerdings nicht lange: Hermeling wirft sein fünftes Tor, es steht nur noch 17:15. Dann holt Wasielewski den nächsten 7-Meter heraus. Semisch hält – zum 26. Mal in dieser Spielzeit. Terwolbeck auf Seidel: 18:15. Zeitspiel droht, GWD muss werfen, Buhrmester hält (beide Keeper stehen nun bei 7 Paraden) – und Kalafut erhöht auf der Gegenseite: 19:15. Auszeit durch Trainer Ziercke (37.).

Zeitstrafe gegen Simovic. Zeitstrafe gegen Pöhle, der seine Meinung zu dem Foulspiel geäußert hat. Doppelte Unterzahl … und Ballgewinn! Tatsächlich kommt Seidel zum Wurf, doch Semisch weiß auch, wie's geht. Egal, wieder erkämpft sich die HSG-Abwehr den Ball, und diesmal ist es de Boer, der im Tempogegenstoß erfolgreich ist. Und immer noch sind die Grün-Weißen mit zwei Mann mehr auf der Platte. Die Antwort aus Minden folgt, dann erzielt Visser elegant sein erstes Tor: 21:16. Und jetzt tobt die Halle vollends, denn Wasielewski erhöht auf 22:16. Minden verkürzt: 22:17. Pöhle! 23:17. Seidel im Tempogegenstoß! 24:17. EmslandArena = Tollhaus. Letzte Auszeit GWD (43.).

Mit Torwartparaden auf beiden Seiten geht es weiter – bei Minden steht nun der zweite Keeper im Kasten. Dann: 24:18. Das 25:18 wirft der Kapitän himself, Terwolbecks erster Treffer des Tages. Es folgt der fünfte 7-Meter für die HSG. Nun tritt Visser an und … ist erfolgreich: 26:18. Dann ertönt wieder Tina Turner (oder ist es Wencke Myhre?), denn Buhrmester hat seinen zehnten Ball gehalten. Das 26:19 fällt kurz darauf trotzdem. Und nach Stürmerfoul folgt das 26:20. Ganz klar: Minden hat die Partie noch nicht aufgegeben. Frank Schumann reagiert direkt: Auszeit (49.).

Stryc spielt nun am Kreis. Den 7-Meter holt Terwolbeck heraus. Visser netzt ein: 27:20. Sören Menke verkündet die Zuschauerzahl: 2.757 – das dürfte Saisonrekord sein! Beim 27:21 hat der Gast Glück, denn der Wurf wird abgefälscht. Stürmerfoul HSG. GWD droht das Zeitspiel … der letzte Wurf klatscht an den Pfosten. Torwartparaden auf beiden Seiten … den nächsten Ball schnappt sich Seidel. Leunissen ist auf der Platte, Bartels rückt ins Tor. „Biedel, Biedel", schallt es durch die Halle – und „Biedel" hält seinen ersten Ball! Der zweite sitzt, es steht 27:22 – zwei Minuten sind noch auf der Uhr. Die Zuschauer stehen … eine Minute noch … Ballgewinn Seidel … Tempogegenstoß Seidel … Tor Seidel! Minden setzt den Schlusspunkt zum 28:23, und der Rest ist Jubel! Zwischendurch: Hüttenberg hat verloren, der 10. Tabellenplatz ist erreicht!

Schumann nimmt seine Spieler herzlich in den Arm. Was geht in Terwolbeck, Buhrmester, de Boer und den anderen jetzt vor, die das hier zum letzten Mal erleben? 2.757 Menschen - allen voran die wieder famose Rote Wand und die beiden anderen Fanclubs Äppler Crew und Sektion - stehen und applaudieren. Das gilt auch für die Mindener, die stolz auf ihre junge dezimierte Mannschaft sein können. Ehrenrunde der strahlenden HSG-Spieler. Dann übernimmt wieder Sören Menke.

Verabschiedet wird nun Dennis Bartels, das Nordhorner Eigengewächs und Urgestein. Ins Mikrofon bedankt er sich herzlich und … erhält von Kapitän Terwolbeck ein Kaltgetränk überreicht. Dann wird Klaus Gierveld nach vorn gebeten, der „ewige" Mannschaftsbetreuer. Auf der Anzeigetafel steht „Bester Mann", und für das Foto kommt auch seine Ehefrau auf die Platte. Sohnemann Marcel wird die so wichtigen Aufgaben seines Vaters im Hintergrund ab Sommer übernehmen. Lasse Seidel ist der Nächste. Sören Menke lobt den bescheidenen Jungen aus dem Ruhrpott, und dann erhält dieser von den Zuschauern (und seinen Mannschaftskameraden) einen großen Applaus. Lasse spricht über den Spaß, den er heute noch einmal auf der Platte gehabt hat. Abschließend bedankt er sich bei seiner Familie. Er wird uns fehlen.

Dann wird es dunkel in der EmslandArena, und es folgt ein Video mit Impressionen aus der Karriere von Luca de Boer auf den Leinwänden. Fotos und Videoausschnitte aus den vergangenen 14 Jahren zeigen den „Schüttorfer Jung'" so, wie die HSG-Fans ihn lieben. Anschließend übernimmt Lucas Vater das Mikrofon. Er spricht über die handballerischen Anfänge seines Sohnes und seinen Werdegang bei der HSG. Der Papa ist stolz, und der Sohn strahlt! Luca selbst spricht über seine jüngste schwere Verletzung und darüber, wie glücklich er ist, heute noch einmal auf dem Feld gestanden haben zu dürfen. Er bedankt sich dafür, seinen Kindheitstraum gelebt zu haben, und schließt seine Familie in seinen Dank mit ein, dazu Heiner Bültmann, Ralf Lucas, Daniel Kubes und das Team der HSG-Geschäftsstelle. „Danke für alles, es war mir eine Ehre", schließt er. Und wir sagen ebenfalls: Danke!

Weiter geht es mit Björn Buhrmester. Sören Menke bezeichnet ihn als „Legende", die immer bescheiden geblieben ist und sich nie selbst in den Mittelpunkt gerückt hat. Auch unsere Nr. 12 wird nun mit einem Video geehrt. „Buhrmi, Buhrmi"-Sprechchöre schallen nochmals durch die Halle. Die kleine, sehr persönliche „Laudatio" hält sein alter Freund Alex aus der gemeinsamen Jugend in Ostwestfalen. Einige seiner Anekdoten bringen nicht nur Björn selbst zum Schmunzeln. „Buhrmi, Buhrmi!" Der Keeper wiederholt auf Nachfrage noch einmal, wie wohl er sich bei der HSG und in Nordhorn all die Jahre gefühlt hat. Er gibt zu, dass ihm der Abschied nahegehe, was zeige, dass er tatsächlich nichts zu bereuen habe. Abschließend spricht auch er Dankesworte und beginnt bei Heiner Bültmann und dessen Frau Melanie. Danke sagt er auch an die HSG-Fans, die er auffordert, so weiterzumachen wie zuletzt, an seine Mannschaftskameraden, seine Familie und ganz besonders seine Frau. „Papa, WIR können doch weiter zusammen Handball spielen", schließt er mit einem Satz des 4-jährigen Sohnemanns Luke zur letzten Partie seines Vaters. Danke Björn!

Alex Terwolbeck ist nun an der Reihe, der seit 1996 im Verein ist. Ein letztes Mal läuft ein Video über die Leinwände der Arena. Gänsehaut pur. „Alex, Alex!" Seine Freunde und ehemaligen langjährigen Mitspieler Eike Rigterink und Hannes Hombrink sprechen nun zu ihm und den Zuschauern. „Mit fällt kein anderer Mensch ein, der so viel für diesen Verein …", sagt Eike, bevor ihm die Stimme versagt. Auch Hannes lobt Alex als einzigartigen Menschen: „Du hast immer einen Platz in unseren Herzen", spricht er vielen Anwesenden aus der Seele. Matthias Stroot nimmt dann das Mikrofon in die Hand, bedankt sich zuerst bei den Zuschauern und wendet sich abschließend an Luca, Björn und Alex: „Uns war es eine große Ehre, dass ihr da wart. Wir sind stolz auf euch." Der Geschäftsführer kündigt die Aufnahme der drei auf die „Wall of Fame" im Euregium an, was beim ersten Heimspiel der neuen Saison in Nordhorn feierlich begangen werden soll.

Das letzte Wort hat dann Alex selbst. Als Erstes zeigt er auf seinen zehn Monate alten Sohn. „Ich habe in den letzten Tagen und Wochen mehr geheult als er", gibt er mit ganz emotionalen Worten zu. Was bleibt, seien vor allem die Gemeinschaft und die in der Zeit bei der HSG entstandenen Freundschaften – wichtiger als Siege. „Ich liebe diesen Verein", sagt er bewegt, bevor ihn seine Mannschaftskameraden auf Händen hochleben lassen. Nach einem Mannschaftsfoto und einem Dank des HSG-Vereins, der Terwolbeck und Co. jeweils einen rot-weißen Klappstuhl schenkt, ist der offizielle Teil beendet. Was für ein Abend – nun darf gefeiert werden! (PS: Fotos folgen auf all unseren Kanälen)