Montag, 15.03.2010

Erst fahrig, dann souverän


30:27 – HSG gewinnt in Ahlen nach schnellem 2:9-Rückstand

Den frühen Rückstand holten die Nordhorner Zweitliga-Handballer bis zur 23. Minute auf – und zogen danach auf bis zu acht Tore davon. Nicky Verjans war mit acht Treffern erneut der erfolgreichste Spieler bei der HSG, die im Duell mit dem Tabellennachbarn den vierten Platz festigte.

Keine zwölf Minuten waren gespielt, da sah es ganz düster aus für die HSG. Die Zweitliga-Handballer lagen bei der Ahlener SG im Duell zweier Tabellennachbarn mit 2:9 zurück, der sonst so ungemein treffsichere Spielertrainer Maik Machulla hatte einen Strafwurf versemmelt und Heiner Bültmann, sein Trainerkollege, schon eine Auszeit genommen. „Die ersten zehn Minuten gehörten ganz klar Ahlen“, sagte Trainer Bültmann später. Am Ende eines unterhaltsamen Spiels aber jubelten die HSG-Handballer und ihre rund 40 mitgereisten Fans. Die Hereinnahme von Einar Ingi Hrafnsson für Toon Leenders im Nordhorner Deckungszentrum brachte die Wende: Dank einer immensen Leistungssteigerung in allen Bereichen, vor allem aber in der Abwehr, siegten die Nordhorner mit 30:27 (16:14) und können nach dem 14. Saisonsieg selbstbewusst die kommenden Aufgaben daheim gegen Empor Rostock (Sonntag, 21. März, 17 Uhr) und beim SV Post Schwerin (Freitag, 26. März) angehen.

Angesichts eines beruhigenden Vorsprungs, der in der zweiten Halbzeit auf bis zu acht Tore wuchs, konnten es sich die Nordhorner Ballwerfer sogar erlauben, die Ahlener in der Schlussphase wieder etwas besser ins Spiel kommen zu lassen. Die letzten zehn Minuten gingen zwar mit 1:6 verloren, waren vor 900 Zuschauern in der Friedrich-Ebert-Halle aber nicht mehr wirklich spannend. Auch für den Ahlener Trainer Jens Pfänder kam der Schlussspurt zu spät: „Um den Nordhornern noch richtig gefährlich zu werden, sind wir einfach zu spät wieder heran gekommen.“%break%

Zwei Phasen mit sechs bzw. sieben Toren in Folge brachten die HSG am Sonnabend auf die Siegerstraße: Erst schaffte das Team der Trainer Machulla und Bültmann nach dem 2:9-Rückstand innerhalb von nur sieben Minuten den Anschluss zum 8:9, und zwischen der 35. und 42. Minute zogen die Nordhorner von 18:17 auf 25:17 davon. Dass der in Ahlen gut aufgelegte Kreisläufer Hrafnsson zwischenzeitlich eine Zeitstrafe absaß und die HSG zwei Minuten lang in Unterzahl kämpfte, störte sie in dieser Phase kaum.

Ihren Acht-Tore-Vorsprung verteidigte die HSG bis in die Schlussphase hinein vor allem deshalb, weil jetzt zwei Spieler besonders in Erscheinung traten: Torhüter Björn Buhrmester machte mit mehreren klasse Paraden auf sich aufmerksam. Er verhinderte ein Aufholen der Ahlener und leitete zugleich mehrere Gegenstöße ein, die vor allem Pavel Mickal zu Toren nutzte. Der tschechische Nationalspieler war im Alleingang für die Nordhorner Treffer 24 bis 28 verantwortlich.

Linksaußen Mickal kam insgesamt auf sechs Tore, öfter traf nur sein Kapitän: Der im Saisonverlauf zum Rückraumspieler umfunktionierte Nicky Verjans warf acht Tore, davon sieben aus dem rechten Rückraum. Während neben Buhrmester, Mickal und Verjans auch Kreisläufer Hrafnsson aus einer guten HSG-Mannschaft herausstach, überzeugte bei den Gastgebern nur Gustav Samuelsson vollends: Der Schwede traf sieben Mal und bewies auch ein gutes Zusammenspiel mit den Nebenleuten. Insgesamt aber machte sich bei Ahlen der nach Abgängen und Verletzungen arg ausgedünnte Kader bemerkbar – zumal kurz nach der Pause auch noch Jakob Macke ausfiel. Er erlitt bei seinem Torwurf zum 16:18 einen Pferdekuss und konnte nicht mehr weiterspielen. Dies konnte Ahlen nicht kompensieren.

von Holger Wilkens