Montag, 12.04.2010

Junge Frau steht im Weg


28:28 – Zeitnehmerin verhindert HSG-Sieg gegen Bad Schwartau

Die HSG Nordhorn- Lingen hat sich für die Heimschlappe gegen den TSV Altenholz (27:32) rehabilitiert. Sie holte am Sonnabend in der gefürchteten Lübecker „Hansehölle“ mit der besten Auswärtsleistung der Saison beim 28:28 (14:13) einen Zähler. Dem möglichen Sieg stand eine junge Frau im Weg.

Schluss, Aus und vorbei. Für Heiner Bültmann gab es kein Halten mehr. Im Sprint raste der baumlange HSG-Trainer, flankiert von seiner roten Spielerfront, auf die Schiedsrichter zu. Er diskutierte, gestikulierte, wetterte. Wie Rumpelstilzchen auf Speed. Doch selbst der Tanz ums Feuer hätte ihm nichts genutzt. Seine Einwände prallten an der lebenden Gummiwand ab – den zwei Männern, die statt traditionellem Schwarz diesmal hellblaue Hemden trugen. Der letzte Treffer von Michael Jahns, der zum ersten HSG-Sieg beim VfL Bad Schwartau nach gut acht Jahren geführt hätte, zählte nicht. „Der Ball war beim Abpfiff in der Luft, also kein Tor“, erklärte der erstligaerfahrene Schiedsrichter Jörg Mahlich (Stendal) seelenruhig. Und Bültmann war geladen: „Ich habe extra auf die Uhr geschaut, beim Wurf waren es noch exakt drei Sekunden. Das Tor war regulär, doch die junge Frau am Zeitnehmertisch hat zu früh abgepfiffen.“ Bitter für Nordhorn: Denn der besten Auswärtsleistung in dieser Saison blieb so die finale Krönung verwehrt.

Vor 1778 Zuschauern spielte die HSG – angeführt von der Troika Maik Machulla, Michael Jahns und Björn Buhrmester – taktisch klug, musste sich aber zunächst der Anfangsoffensive der stärksten Angriffsmannschaft der Liga erwehren. Denn der VfL knüpfte nahtlos an die 33:28-Gala gegen Schwerin an. Spielmacher Hinrichsen (fünf Tore bis zum 7:4/12.) und Torjäger Schult (fünf der sechs Treffer in Halbzeit eins) bliesen zur Attacke. Und hinten blieb die schlechteste Abwehr der Liga ihren Ruf schuldig. Beweglich verstellte die 3:2:1-Defensive der Gastgeber die Räume, nahm Machulla und Jahns offensiv aus dem Spiel. Offensichtlich: Der HSG-Offensive fehlte es ohne den am Knie operierten Linkshänder Nicky Verjans an Durchschlagskraft aus dem rechten Rückraum. Der VfL setzte sich so nach einem Dreier von Jan Schult auf 13:10 (23.) ab. „In der Phase haben wir die große Chance versäumt, uns weiter abzusetzen“, monierte VfL-Trainer Thomas Knorr später und trauerte vor allem dem vergebenen Siebenmeter von Matthias Hinrichsen nach.%break%

Die Parade von Buhrmester war das Signal für die HSG und den Keeper selbst, der nun zu großer Form auflief (15 parierte Bälle, davon vier Siebenmeter). Und vorne spielte die HSG nun klug, verschleppte das Tempo, spielte die Angriffe bis zur Chance konsequent aus und hatte in Jahns einen sicheren Vollstrecker. Sehr zur Freude, der zehn mitgereisten Fans, die ihre Treue zur HSG mit an die Hallenwand geklebten roten Herzen dokumentierten. „Wir haben in dieser Saison sicher schöner gespielt, doch diesmal war es zweckmäßig“, fand Bültmann.

Beim 13:13 (30.) war die HSG dran, steckte auch den erfolgreichen VfL-Kempa mit dem Pausenpfiff (13:14) weg und war beim 19:18 (43.) erstmals wieder vorn. Stark: Machulla traf jetzt aus allen Lagen, setzte zudem immer wieder Hrafnsson am Kreis (sechs Treffer) gekonnt in Szene. Die Führung wechselte hin und her. Als Machulla und Einar Ingi Hrafnsson zum 28:26 (56.) trafen, Buhrmester nach dem Anschlusstreffer von VfL-Spielertrainer Knorr seinen vierten Siebenmeter parierte, bog die HSG 90 Sekunden vor Schluss auf die Siegerstraße ein. Doch Linksaußen Pavel Mickal scheiterte aus gutem Winkel am eingewechselten Noel im VfL-Tor und Jahn traf für die Gastgeber 17 Sekunden vor dem Abpfiff zum 28:28. Und dann wurde es noch einmal hitzig in der „Hansehölle“ ...

 

von Jens Kürbis