Freitag, 23.04.2010

Frühstart in Richtung Potsdam


HSG Nordhorn-Lingen spielt heute schon wieder – Riedel bleibt in Hannover

Vor dem Gastspiel heute Abend (19.30 Uhr) beim 1. VfL Potsdam steht für die Nordhorner Zweitliga-Handballer eine rund achtstündige Busfahrt an. Die Rückreise in der Nacht soll mit einem Sieg verschönert werden.

Keine 48 Stunden nach dem 32:28-Heimsieg gegen den HSV Hannover geht es für die Zweitliga-Handballer der HSG Nordhorn-Lingen erneut um Punkte – ausgerechnet bei der Konkurrenz, die am weitesten von der Grafschaft entfernt ist. Der HSG-Tross plant heute eine rund achtstündige Busfahrt zum Spiel beim 1. VfL Potsdam ein, die Abfahrt ist für 10 Uhr am Vormittag terminiert. „So früh ging’s in dieser Saison noch nie los“, sagt Trainer Heiner Bültmann, der seinen Handballern gestern einen Regenerationstag verordnet hatte.

Zwei Spiele an drei Tagen – diese unglückliche Konstellation entstand deshalb, weil die Partie der HSG gegen den HSV Hannover vom letzten Wochenende in die Wochenmitte verschoben wurde. Grund für die Verlegung waren die Nationalmannschaftseinsätze einiger ausländischer Nationalspieler der HSG. Die Entscheidung des Ligaverbandes sorgte in Hannover für einigen Unmut. „An einem Wochentag können wir nur schwer die beste Mannschaft aufstellen“, sagte der Ex-Nordhorner Bastian Riedel. Sein Trainer Alfred Thienel sprach in Nordhorn gar von einer Rumpftruppe, die sich allerdings achtbar geschlagen habe.%break%

icht nur auf den beiden Ersatzbänken blieb es am Mittwochabend übersichtlich, auch auf den Tribünen des Euregiums waren viele Plätze verwaist. Nur 1125 Zuschauer, sicherlich bedingt durch die Fernsehübertragung des Bayern-Spiels, bedeuteten eine Minus-Kulisse für diese Saison. Nicht nur der HSV-Shooter und gebürtige Nordhorner Riedel, der zwischen 1992 bis 2005 sämtliche HSG-Teams von der Jugend über die Reserve bis zu den Profis durchlief, hätte bei seiner Rückkehr ins Euregium gerne vor größerer Kulisse gespielt. Obwohl: „Vielleicht wären mehr Zuschauer in der Halle für uns gar nicht so gut gewesen“, bemerkte der 25-Jährige.

Riedel konnte das Gastspiel an langjähriger Wirkungsstätte nicht mit einem Heimaturlaub verbinden, musste stattdessen direkt nach Spielende mit der Mannschaft zurück in die Landeshauptstadt. „Am Freitag steht eine Klausur an“, sagte der Student, „und am Sonntag haben wir das wichtige Heimspiel gegen Dessau.“ Den Auftritt im Euregium hat er dennoch genossen. „Es war das erste Mal seit rund fünf Jahren, dass ich hier gespielt habe – und vorerst wohl auch das letzte Mal.“ Er hält seinem Klub, der aus wirtschaftlichen Gründen freiwillig aus der 2. Liga absteigt, auch in der Regionalliga die Treue. „Ich fühle mich wohl in Hannover und im Verein, das Studium dauert noch ein Jahr – es gab gute Gründe, meinen Vertrag zu verlängern“, betonte der 25-Jährige. Die Frage, im Sommer zu seinem Heimatverein nach Nordhorn zurückzukehren, stellte sich für den 2,10-m-Hünen, der gegen den Ex-Klub sein 97. Saisontor warf, nicht: „Es gibt keine Anfrage aus Nordhorn, und ich wollte früh Planungssicherheit.“

Die Rechtshänder-Position im linken Rückraum besetzt bei der HSG Nordhorn-Lingen Michael Jahns, mit 2,01 Metern nur unwesentlich kleiner als Riedel. Jahns schraubte seine Saisonbilanz am Mittwoch dank zehn Treffern auf 169 Tore. Damit ist er im Saisonverlauf ebenso wie Spielmacher Maik Machulla (192), dem man seine Bauchmuskelbeschwerden gegen Hannover nicht ansah, erfolgreicher als der beste Werfer des heutigen Gegners: Lars Melzer traf bislang 157 Mal. Auf die Achse Machulla/Jahns kann sich die HSG verlassen. „Die Erfahrung dieser Spieler hat den Unterschied ausgemacht“, sagte Riedel – und musste die Rückreise ohne Punktgewinn antreten. Das will sich die HSG heute ersparen: Ein Sieg würde die Strecke von Potsdam gleich viel erträglicher machen.

von Holger Wilkens