Dienstag, 27.07.2010

Noch einmal Weltstars in Nordhorn


Star-Ensemble des THW Kiel schaut zu Freundschaftsspiel bei der HSG vorbei

Die Mannschaft von Trainer Heiner Bültmann prüft heute den deutschen Meister und Champions League-Sieger. Die Kieler sind derzeit in Lingen im Trainingslager.

Zehn Jahre lang ging es in Spielen zwischen der HSG Nordhorn und dem THW Kiel um Bundesliga-Punkte oder das Erreichen der nächsten Runde im DHB-Pokal. Wenn heute Abend der deutsche Handball-Rekordmeister bei den mittlerweile in der 2. Bundesliga Nord beheimateten Grafschaftern zu einem Freundschaftsspiel zu Gast ist (19.30 Uhr, Euregium), steht für die Trainer die Formüberprüfung ihrer Mannschaften während der Vorbereitung im Zentrum.

Für die Fans der Region ist es allerdings auch eine der wenigen Gelegenheiten, noch einmal Weltstars des Handballs unmittelbar vor der Haustür zu erleben. Der THW, der derzeit in Lingen im Trainingslager ist, hat als aktueller Champions League-Sieger mit den fränzösischen Nationalspielern Thierry Omeyer und Daniel Narcisse zwei Akteure in den Reihen, die mit der Auswahl ihres Heimatlandes die bedeutendsten Titel in Serie gewonnen haben: Olympiasieger 2008, Weltmeister 2009, Europameister 2010. Der Tscheche Filip Jicha ist der Torschützenkönig der vergangenen Spielzeit in der Champions League, wurde in Deutschland zum Handballer des Jahres 2009 gewählt und von der HBL zum Spieler der Saison 2009/10 gekürt. Ob die Schweden Kim Andersson, Hendrik Lundström und Markus Ahlm, der Serbe Momir Ilic oder die aktuellen deutschen Auswahlspieler Dominik Klein und Christian Sprenger – Trainer Alfred Gislasson verfügt über eine exquisite Ansammlung herausragender Könner, die zu dieser Saison um die Zugänge Daniel Kubes (TBV Lemgo) und Milutin Dragicevic (Bjerringbro-Silkeborg /Dänemark) bereichert wurde.%break%

Die Zeiten, da Nordhorner Mannschaften dem FC Bayern des deutschen Handballs die Stirn bieten konnten, sind zwar passé. Aber: „Das ist für unsere Spieler eine tolle Sache, gegen Kiel zu spielen“, sagt Heiner Bültmann. All zu viel erwartet sich der HSG-Trainer von der Partie allerdings nicht. Denn: „Kiel ist viel zu stark und wir sind dabei, unseren Rückraum zu zu formieren.“ Deswegen hält er die Messlatte, die Zweitliga-Rivale Rostock mit der respektabelen 32:40-Niederlage vor einer Woche gegen den THW gelegt hat, auch für zu hoch, schließlich verfüge der HC Empor über eine eingespielte Mannschaft, die noch verstärkt worden sei.

Derweil müssen sie in Nordhorn erst einmal die weitere Umstrukturierung der Mannschaft bewerkstelligen, die mit Maik Machulla, Michael Jahns und Nicky Verjans die drei wichtigsten Torschützen der vergangenen Spielzeit verloren hat. Die Neuen haben dabei in den ersten zwei Wochen bei Bültmann einen guten Eindruck hinterlassen. Bobby Schagen ist ihm als Rechtsaußen mit einem „guten Instinkt für Gegenstöße“ und einem üppigen Reservoir an Wurfvarianten aufgefallen. Linkshänder Matthias Struck hat Bültmanns Erwartungen bisher ebenso erfüllt wie Nils Meyer, der allerdings weniger auf seiner angestammten Position als Spielmacher zum Zuge kommt, sondern vielmehr die Lücke im linken Rückraum stopfen muss, die nach Jahns Wechsel zu Eintracht Hildesheim noch nicht mit einem Zugang besetzt wurde. Die Hoffnung, dass die HSG hier personell noch nachlegen kann, hat Bültmann noch nicht aufgegeben. Er hält daran fest, einen weiteren Rechtshänder für den Rückraum zu benötigen, sagt aber auch: „Es muss halt finanziell auch machbar sein.“ Eine weitere Aufstockung des Kaders käme auch der Qualität im Training zu Gute, wo derzeit selten Spielsituationen sechs gegen sechs geübt werden können.

Auch was das Zuschauerinteresse angeht, wird Nordhorn mit Rostock wohl nicht mithalten können. Die HSG-Geschäftsstelle rechnet heute mit etwa 1000 Besuchern, während der HC Empor 3400 Fans begrüßen konnte. Es werden also ausreichend Karten an der Abendkasse zu haben für die Partie gegen den THW, die von den Schiedsrichtern Pawel Fratczak und Paulo Ribeiro (TuS Wagenfeld) geleitet wird.

von Frank Hartlef