Mittwoch, 28.07.2010

Gegen Kiel eine Halbzeit gewonnen


Beim 28:35 gegen den Rekordmeister siegt die HSG nach der Pause mit 16:13

Das war ein vielversprechendes Testspiel des Nordhorner Zweitligisten gegen den Champions League-Sieger. Positiv: Nicht nur die etablierten Kräfte erfüllten die Erwartungen, vor allem die Jungen nutzten die Chance, auf sich aufmerksam zu machen.

Es war fast wie zu besten Nordhorner Handballzeiten: Die HSG hat den THW Kiel geschlagen, die Zuschauer im Euregium stehen eine Minute vor Spielschluss auf, um mit rhythmischem Klatschen ihre Mannschaft zu feiern und nach Spielschluss stürmen die Autogrammjäger die Spielfläche. Nun ja: Gewonnen hat die HSG gestern Abend gegen den Champions League-Sieger nur die zweite Halbzeit mit 16:13, nachdem der erste Abschnitt 12:22 verloren gegangen war, was sich im Gesamtresultat zu 28:35 addierte. Es ging auch nicht um Bundesliga-Punkte, sondern war ein Testspiel, das der THW beim Zweitligisten freundlicherweise ohne Gage bestritt. Und die Zuschauer saßen nicht wie früher bei Kieler Gastspielen dicht an dicht, sondern besetzten etwa 1000 Plätze.

Zumindest für einen war es doch ganz anders: Mit Daniel Kubes kehrte ein Spieler aus der Nordhorner Glanzzeit zurück. Der Tscheche, der seit dieser Saison das THW-Trikot trägt, musste lange suchen, ehe er mit Trainer Heiner Bültmann und seinem Landsmann Pavel Mickal doch noch zwei bekannte Gesichter aus der HSG-Mannschaft fand, mit der er 2008 den EHF-Pokal gewonnen hat. Und Stephan Wilmsen kannte er noch, weil der damals in der Reserve spielte. Eines allerdings fiel Kubes, der wegen einer Oberschenkelverletzung nur zuschauen durfte, an der HSG Nordhorn-Lingen sofort auf: „Die Spielanlage ist wie zu alten Zeiten.“%break%

Die Stars allerdings spielen mittlerweile ausschließlich auf der anderen Seite, trotzdem machte es viel Spaß, der HSG-Formation zuzuschauen, vor allem nachdem sie erst einmal den Respekt vor Daniel Narcisse, Momir Ilic oder Christian Zeitz abgelegt hatte, die allesamt auf je sieben Treffer kamen. „Anfangs waren sie ein bisschen zu nett zum THW“, sagte Kubes. „Aber ab der 20. Minute haben wir die Ehrfurcht abgelegt“, freute sich Bültmann über die gute Mannschaftsleistung.

Die lässt sich schon daran fest machen, dass sich acht von elf eingesetzten Feldspielern in die Torschützenliste eingetragen haben. „Die zweite Halbzeit war super“, freute sich Pavel Mickal, der mit sieben Toren bester Werfer seines Teams war, und erklärte: „Da haben wir viel besser in der Abwehr gestanden, unser Torwart Björn Buhrmester hat mehr gehalten und wir haben die Gegenstöße zu einfachen Toren genutzt.“ Doch ebenso wie sieben Treffer des tschechischen Linksaußen oder 13 Tore von Matthias Struck (6) und Bobby Schagen (7/5) schlug das forsche Auftreten des Nachwuchses positiv zu Buche: Je einen Treffer steuerten die Eigengewächse Alex Terwolbeck und Hannes Hombrink bei. „Das Herz ist mir fast in die Hose gerutscht“, gestand Hombrink, als er sich erinnerte, wie er allein auf THW-Torhüter Andreas Palicka zulief und unter den Anfeuerungen der Fans den Gegenstoß versenkte. Bei seiner ersten Aktion nach seiner Hereinnahme hatte sich der Rechtsaußen gleich eine Zeitstrafe eingehandelt. Doch dass er in der Abwehr beherzt gegen Weltklasse-Kreisläufer Marcus Ahlm zugepackt hatte, wollte der 18-Jährige Rotschopf so nicht stehen lassen: „Der hat sich fallen lassen.“

Fast hätte sich sogar der 17-jährige Luca de Boer noch in die Torschützenliste eingetragen. Doch sein artistischer Wurf, die letzte Aktion des Spiels, landete an der Latte statt im THW-Tor. „Super, wie er das Zuspiel gefangen hat“, lobte Bültmann seinen jüngsten Akteur dennoch für dessen zweite gelungene Aktion in nur knapp drei Minuten Spielzeit, nachdem der Kreisläufer zuvor schon einen Siebenmeter erkämpft hatte. Wenngleich Testspiele immer nur beschränkten Aussagewert haben, so war sich Pavel Mickal doch sicher: „Das gibt den jungen Spielern Selbstvertrauen. Und das ist wichtig, weil wir sie die ganze Saison brauchen werden.“

von Frank Hartlef

 

HSG Nordhorn-Lingen: Buhrmester, Bartels; Struck (6), Wilmsen (2), de Boer, Lammering (1/1), Hrafnsson, Leenders, Mickal (7), Hombrink (1), M. Poll (n.e.), Schagen (7/5), Terwolbeck (1), Meyer (3).

THW Kiel: Omeyer, Palicka; Ranke, Sprenger (n.e.), Ahlm (2), Dragicevic (3), Reichmann (4), Zeitz (7), Müller, Narcisse (7), Ilic (7/4), Klein (3), Jicha (2).