Samstag, 21.08.2010

"Es geht bis zuletzt um alles"


33 Klubs in Nord und Süd wollen in die eingleisige Zweite Liga

Auch die HSG Nordhorn-Lingen will sich direkt qualifizieren. Das Minimalziel ist daher Platz neun der Nord-Staffel.

In der vergangenen Saison in der 2. Handball-Bundesliga Nord ging es mit Beginn des zweiten Saisonteils für 15 von 17 Mannschaften im Grunde um gar nichts mehr: Durch Insolvenzen und freiwillige Rückzüge war frühzeitig klar, dass es keinen sportlichen Absteiger geben würde. Und den Meisterschaftskampf machten der ASV Hamm und der TV Emsdetten unter sich aus. Die bevorstehende Spielzeit wird genau den entgegengesetzten Charakter haben: „Es geht bis zuletzt um alles“, sagt Heiner Bültmann, Trainer der HSG Nordhorn-Lingen, „es gibt nur Aufstieg oder Abstieg.“ Denn: 33 Vereine in den Staffeln Nord (17) und Süd (18) haben sich zum Ziel gesetzt, die eingleisige Zweite Liga zu erreichen. Zwei Ausnahmen: Den Füchsen Berlin II und dem SC Magdeburg II bleibt als Reserve eines Erstligisten der Sprung in die eingleisige Spielklasse von vornherein verwehrt. Der Aufsteiger aus der Hauptstadt hat dennoch das Ziel, „sportlich die Klasse zu sichern“. Und für alle anderen gilt, dass es zumindest offiziell gar keine andere Vorgabe als die Qualifikation geben kann, schließlich kann man nicht mit dem Ziel Abstieg in die Saison gehen.

Und so läuft die Qualifikation: Insgesamt werden 20 Klubs in der neuen zweithöchsten Spielklasse antreten. Direkt qualifiziert sind die Absteiger aus der Ersten Liga sowie alle Klubs bis einschließlich Platz neun der Zweiten Ligen Nord und Süd; das macht zusammen 18 Vereine. Komplettiert wird das 20er-Feld der eingleisigen Zweiten Liga durch eine Relegationsrunde, in der sich zwei weitere Klubs qualifizieren können. Diese Relegation wird in zwei zwei Gruppen mit je drei Mannschaften gespielt; die jeweiligen Gruppensieger erreichen die eingleisige 2. Liga.%break%

Und so sieht die Einteilung dieser beiden Relegations-Gruppen aus: Der Zehnte der 2. Liga Nord trifft auf die Meister der 3. Ligen Nord und Ost. Und der Zehnte der 2. Liga Süd misst sich mit den Meistern der 3. Ligen Süd und West. Die drei Vereine jeder Gruppe spielen eine einfache Runde (jeder gegen jeden) ohne Rückspiel aus. So hat jeder ein Heim- und ein Auswärtsspiel. Auch die Spieltermine hat der DHB bereits festgelegt: Die Relegation beginnt am 21./22. Mai und endet am 28./29. Mai.

Das Ziel für die HSG ist klar: Die Mannschaft von Heiner Bültmann will auf direktem Wege die Qualifikation schaffen. Was das für sein mit vielen jungen Spielern durchsetztes Team heißt und für alle 16 Konkurrenten in der Nord-Staffel gilt, weiß Bültmann genau: „Der Druck wird die ganze Saison da sein.“ Und Spiele im Niemandsland der Tabelle, in denen es um nichts geht, wird es in dieser Saison nicht geben. „Es gibt keine Spiele um die goldene Ananas“, sagt HSG-Trainer Bültmann.

Bleibt die Frage, ob die Zusammenlegung beider Zweitliga-Staffeln den Nutzen bringt, den sich Verband und Vereine erhoffen: größere Professionalität, mehr sportliche Qualität und damit eine Annäherung an das Niveau der Vereine in der Ersten Liga. „Ob es so kommt, muss man abwarten“, sagt Bültmann. Unzweifelhaft ist, dass auf die Vereine durch längere Fahrten und Vollprofitum höhere Kosten zukommen werden. Und ob Sponsoren bereit sind, auf Grund der Strahlkraft einer bundesweiten Spielklasse tiefer in die Tasche zu greifen, oder ob neue Geldgeber angelockt werden, wird vielfach bezweifelt. „Wegen der eingleisigen Zweiten Liga kommt kein zusätzliches Unternehmen auf uns zu“, sagt Frank Thünemann, der Manager des TV Emsdetten. Für den Nord-Vizemeister der vergangenen Saison, der in der Relegation am TSV Dormagen mit den Neu-Nordhornern Nils Meyer und Bobby Schagen gescheitert ist, gilt daher die Maxime: dann lieber gleich in die Erste Liga aufsteigen.

 

von Frank Hartlef