Samstag, 06.11.2010

30:27 - Triumph einer stabilen Einheit


HSG überzeugt gegen Essen gerade in kritischen Phasen

Die Nordhorner bleiben zu Hause ungeschlagen, feierten im sechsten Heimspiel den fünften Sieg. Meyer und Schagen waren mit jeweils sechs Toren die besten Werfer der Gastgeber.

Als Toon Leenders nach 49 Minuten zum 26:22 für die HSG Nordhorn-Lingen traf und den Grafschafter Handball-Zweitligisten damit in einem intensiven Kampfspiel gegen TuSEM Essen erstmals mit vier Toren in Front schoss, da schien sich die Mannschaft von Trainer Heiner Bültmann doch noch auf eine geruhsame Schlussphase einstellen zu können. Doch ehe sie gestern Abend mit 30:27 (15:13) einen vor allem dank der starken kämpferischen Leistung verdienten Sieg mit der „Humba“ feiern konnte, hielten Stephan Wilmsen und Kollegen den Rhythmus aufrecht, die Partie nach souveränen Phasen immer wieder spannend zu machen.

Und daran war der Kapitän und Abwehrchef maßgeblich beteiligt. Als Wilmsen sich in der 50. Minute die dritte Zeitstrafe und damit die Rote Karte einhandelte, war er mit dieser Entscheidung überhaupt nicht einverstanden und weil er das auch die Schiedsrichter wissen ließ, schickten sie ihn mit einer doppelten Zeitstrafe vom Feld. Damit musste die HSG die nächsten vier Minuten in Unterzahl überstehen. Doch in dieser kritischen Phase warfen der starke Rückraumspieler Nils Meyer, der wie Rechtsaußen Bobby Schagen auf sechs Treffer kam, und Toon Leenders, der alle seine fünf Tore im zweiten Abschnitt erzielte, wichtige Tore. Und als Schagen auch den letzten seiner vier Siebenmeter zum 29:25 (54.) verwandelte, hatte der Vier-Tore-Vorsprung der Gastgeber noch immer Bestand.%break%

Doch kaum waren die Nordhorner wieder komplett, musste Leenders (57.) für zwei Minuten vom Feld. Und als die Führung bei 29:27 (59.) auf zwei Tore zusammen geschmolzen war, nahm Bültmann lieber eine Auszeit. Anschließend schickte TuSEM-Coach Maik Handschke sein Team in der 4:2-Formation aufs Feld, um die letzte Chance zu wahren. Doch die HSG zeigte gerade in den kritischen Situationen, dass sie längst zu einer stabilen Einheit zusammen gewachsen ist. Alex Terwolbeck, der nach Wilmsens Ausscheiden die Spielmacherrolle übernommen hatte, huschte nach Ablauf von Leenders’ Zeitstrafe aufs Feld, erhielt den Ball, wieselte sich durch die offensive TuSEM-Abwehr und traf mit seinem einzigen Treffer des Abends zum 30:27-Endstand. Endgültig perfekt war der fünfte Sieg im sechsten Heimspiel, als Torhüter Björn Buhrmester auch die beiden letzten Wurfversuche der Essener abgewehrt hatte.

Trainer Bültmann hob nach dem „intensivsten Spiel der letzten anderthalb Jahre“ die „super Abwehr über 60 Minuten hervor“. Auch der treffsichere Bobby Schagen sah das ausschlaggebende Moment eher in der Defensivarbeit: „Wir haben viele Zeitstrafen kassiert, haben das aber immer gut gemeistert.“ Da half es den Essenern auch nicht, dass Pavel Prokopec mit elf Toren (davon fünf sicher verwandelte Siebenmeter) nach langer Verletzungspause ein gelungenes Comeback feierte. „Wir haben nie den Kopf hängen lassen und immer an den Sieg geglaubt“, bestätigte Nils Meyer, der sich nicht damit zufrieden geben will, dass die HSG mit 13:7 Punkten als Fünfter ihre Position im oberen Tabellendrittel gefestigt hat. „Dieses Polster“, sagte der Rückraumspieler mit Blick aufs nächste Heimspiel gegen den 1. VfL Potsdam am 21. November, „wollen wir weiter ausbauen.“

von Frank Hartlef