Und "Flo" zahlt ne Kiste

01.08.2011

HSG profitiert beim 40:35 von einer klasse ersten Halbzeit

Nach der 19:11-Führung zur Pause stellten die Nordhorner Zweitliga-Handballer die Arbeit in der Abwehr weitgehend ein. Mehr als fünf Tore holte die Reserve der Füchse Berlin aber nicht auf. Der 40:35-Sieg der HSG war verdient und letztlich ungefährdet.

Wenn in einem Handballspiel 75 Tore fallen, hat diese Quote für die Zuschauer einen großen Unterhaltungswert. Den Handballern unten auf der Platte gefällt so ein Spiel aber nur, wenn sie am Ende die zwei Punkte für den Sieg einfahren. „Das Wichtigste war, zu Hause gegen einen solchen Gegner zu gewinnen“, wusste Toon Leenders, der gestern starke Kreisläufer der HSG Nordhorn-Lingen. Sein Team hatte sich in dem Zweitligaspiel gegen die Füchse Berlin II mit 40:35 (19:11) durchgesetzt. Der Niederländer wusste aber auch: „Es war ein Spiel ohne Abwehr – zumindest nach der Pause.“

Gegen die junge Mannschaft aus der Bundeshauptstadt starteten die Nordhorner ungewohnt schlecht, brannten nach zwei technischen Fehlern und einem frühen 0:2-Rückstand aber ein 25-minütiges Handball-Feuerwerk ab. Vor allem im Angriff klappte nahezu alles: Die HSG brachte ihr variables Spiel über den Kreis ebenso erfolgreich zum Abschluss wie über die Außenpositionen. Manchmal hämmerte Matthias Struck den Ball humorlos in den Winkel, ein anderes Mal tankte sich Spielmacher Stephan Wilmsen durch zwei Mitspieler durch und überwand auch den Füchse-Keeper. Und weil’s so einfach war, machte Alex Terwolbeck es ihm nach seiner Einwechslung nach knapp 20 Minuten gleich mal nach. „Das hat Spaß gemacht zuzusehen“, freute sich Trainer Heiner Bültmann. Höhepunkt: ein Kempa-Trick mit Bobby Schagen und Nils Meyer zum 12:7 in der 20. Minute. Weil auch die Abwehr „richtig gallig“ war, wie der Coach bemerkte, führten die Nordhorner zur Pause mit acht Toren. Der Vorsprung hätte sogar noch höher ausfallen können, wenn nicht der Berliner Rückraum-Shooter Fabian Böhm (7 Tore bis zur Pause) ziemlich gut drauf gewesen wäre. „Wir waren in der ersten Halbzeit komplett in der Kabine“, kritisierte Füchse-Trainer Alexander Haase.%break%

Dass die Reise der Berliner in den Westen nicht gänzlich zum Desaster geriet, lag an zwei Faktoren: Der Füchse-Nachwuchs zeigte im zweiten Durchgang großen Kampfgeist, die Nordhorner hingegen stellten die Abwehrarbeit weitgehend ein. „Vielleicht waren wir nach der starken ersten Halbzeit zu zufrieden“, wagte Leenders einen Erklärungsversuch. Nils Meyer erkannte ein „Konzentrationsproblem, das so nicht noch einmal passieren darf.“ Und für Torwart Björn Buhrmester war zwar klar, dass die klasse Leistung der ersten Halbzeit nicht so einfach zu wiederholen war, aber: „Dass wir so den Faden verlieren...“

Dass die HSG-Handballer trotz des Einbruchs in der Defensive einen letztlich sicheren Sieg einfuhren, lag daran, dass sie weiterhin regelmäßig trafen. Vor allem Nils Meyer, der schon vor der Pause mit seiner Dynamik und Spielübersicht glänzte, kam immer wieder zu wichtigen Toren. Sieben seiner zehn Tore erzielte er in Durchgang zwei. „Ich hatte eigentlich nie das Gefühl, das Spiel verlieren zu können“, sagte Kreisläufer Leenders, „dafür haben wir zu gut getroffen.“

Was Bültmann positiv stimmen wird: Alle eingesetzten Feldspieler haben sich in die Torschützenliste eingetragen. Kurz vor Schluss schickte der Coach Luca de Boer und Florian Lammering aufs Spielfeld – der 17 Jahre alte Kreisläufer de Boer traf 40 Sekunden vor Schluss zum 39:34, „Flo“ Lammering erzielte 30 Sekunden später gar das 40. HSG-Tor. Damit war für den jungen Linksaußen eine Kiste Bier fällig, die sich die Mannschaft zumindest im Angriff redlich verdient hatte.

von Holger Wilkens