Montag, 25.10.2010

Teufelskerl Koning hält ersten Auswärtssieg fest


HSG gewinnt 28:26 beim VfL Bad Schwartau – Rot für Buhrmester: Torhüter der „Dritten“ springt ein

Der Knoten bei der HSG Nordhorn ist geplatzt – und das ausgerechnet beim VfL Bad Schwartau, der in der 2. Handball-Bundesliga Nord zuletzt sechs Siege in Folge feierte. Nach dem 28:26 (14:14)-Erfolg vor 2015 Zuschauern in Lübeck hüpfte die Mannschaft von Trainer Heiner Bültmann nach dem ersten Auswärtssieg der Saison jubelnd durch die Hansehalle, tanzte im Kreis und trug ihren Torwart Torben Koning auf den Schultern.

„Wir haben unsere kleine Chance genutzt und eine Überraschung geschafft. Schwartau war die mit Abstand größte Herausforderung“, freute sich Bültmann über eine „klasse Mannschaftsleistung“, während Koning seine Vorstellung noch gar nicht fassen konnte. „Es war mein erstes Spiel, unglaublich. Aber die Jungs haben mich toll unterstützt.“ Koning entnervte die Schwartauer im zweiten Durchgang mit zwölf Glanzparaden, zudem parierte er zwei Siebenmeter.

Dabei waren die Schwartauer gestartet wie die Feuerwehr (3:1/5.). Doch dann spielte sich Gäste-Keeper Björn Buhrmester immer mehr in den Mittelpunkt, brachte den gesamten VfL-Angriff zur Verzweiflung. Neun Hundertprozentige, darunter auch einen Siebenmeter von Peter Kasza, entschärfte der Torhüter. Und mit dem überragenden Buhrmester im Rücken steigerte sich das gesamte Team. Nichts war davon zu spüren, dass die Nordhorner in fremden Hallen bisher noch keinen einzigen Punkt mitgenommen hatten. Stephan Wilmsen führte klug Regie. Und gegen die Würfe von Bobby Schagen (6/3), Matthias Struck und Nils Meyer (je 5) waren im VfL-Tor sowohl Ariel Panzer als auch Tobias Mahnke meist machtlos.%break%

Dabei sah es direkt vor der Pause gar nicht gut aus: Die Rote Karte für Buhrmester, der einen langen Pass abfangen wollte und Dennis Tretow dabei foulte, schien die Wende bringen. Schließlich ist Koning nur die Nummer drei im Kader der Oberliga-Mannschaft, sprang ein, weil Dennis Bartels erkrankt ist und Remko Bezoen private Verpflichtungen hatte. Normalerweise hält Koning nur in der dritten Mannschaft – in der Landesklasse. „Und wir haben ihn zum Weltmeister geworfen“, stöhnte Schwartaus Toptorjäger Jan Schult (9/1), während VfL-Torwart Ariel Panzer die Welt nicht mehr verstand: „Wie kann so ein Torwart so ein Spiel machen?“, klagte der Deutsch-Argentinier.

Doch die Schwartauer führten in der zweiten Halbzeit nur ein einziges Mal – bei 15:14 nach 32 Minuten. Und außer Koning, „diesem Teufelskerl“, wie Bültmann ihn nannte, trugen alle ihren Teil zu diesem Erfolg bei. Zum Beispiel Florian Lammering, der für Pavel Mickal auf dem linken Flügel einsprang, nachdem dem Tschechen einige Fehlwürfe unterlaufen waren. Lammering rechtfertigte das Vertrauen mit drei Toren. Und Mickal half seinem Team als sicherer Siebenmeter-Schütze weiter. Da scheiterte auch der Schwartauer Schlussspurt: Zwar kämpfte sich der VfL von 23:27 (56.) auf 26:27 (60.) heran, doch acht Sekunden vor dem Ende sorgte HSG-Kreisläufer Einar Ingi Hrafnsson mit seinem einzigen Treffer des Spiels für den K.o.

„Es werden nicht viele Mannschaft in der Hansehalle gewinnen“, meinte Bültmann nach der „Überraschung“, während Schwartaus Spielertrainer Thomas Knorr von einem „verdienten Sieg“ sprach. „Wir haben 60 Minuten hart gearbeitet. Die Abwehr und die Torleute waren der Grundstein für den Erfolg“, meinte Struck, der sich endlich wieder auf eine Heimfahrt freuen konnte: „Ein Bierchen können wir uns gönnen. Vielleicht auch zwei, mal sehen, wie es schmeckt.“

von Frank Hartlef