Respekt, aber keine Ehrfurcht

01.08.2011

Pokal: HSG will sich vom Melsunger Tempo nicht überraschen lassen

Die Nordhorner können mit viel Selbstvertrauen ins Achtelfinale gegen den Erstligisten ziehen: Sie sind in dieser Saison im Euregium noch ungeschlagen und glänzten in der Liga zuletzt mit 13:3 Punkten in Folge.

Dass die HSG Nordhorn-Lingen heute, Mittwoch (19.30 Uhr, Euregium), im Achtelfinale um den deutschen Handball-Pokal die MT Melsungen empfängt, daran hat Pavel Mickal großen Anteil. Der Linksaußen ist mit 21 Toren in den drei Partien zuvor der erfolgreichste Torschütze des Nord-Zweitligisten in diesem Wettbewerb. Soll es heute mit der Überraschung gegen den Tabellen-16. der 1. Liga klappen, müssen der tschechische Nationalspieler und seine Kollegen schon eine optimale Leistung abrufen. „Wir haben nichts zu verlieren und können nur überraschen“, kommt Mickal die Außenseiterrolle gelegen.

„Das ist eine große Herausforderung für uns“, sagt Trainer Heiner Bültmann, der darauf baut, dass sein Team über genug Selbstvertrauen verfügt, um dem Team seines Trainer-Kollegen Michael Roth die Stirn zu bieten: „Wir haben Respekt, aber wir werden nicht in Ehrfurcht erstarren“, verspricht der Nordhorner Übungsleiter. Sein Team kann aus dem bisherigen Saisonverlauf durchaus einiges Selbstvertrauen schöpfen: Zum einen sind die Gastgeber in dieser Saison im Euregium noch ungeschlagen. Und zum anderen haben Kapitän Stephan Wilmsen und Kollegen mit zuletzt 13:3 Punkten in Folge in der Liga bewiesen, dass sie gerade in kritischen Situationen umkämpfter Matches die Nerven bewahren.%break%

Die oberste Prämisse, um mit einem Sieg ins Viertelfinale einzuziehen, ist für Bültmann: „Wir dürfen uns nicht vom Tempo überraschen lassen. Da ist man in der Abwehr dann schnell weg.“ Vor allem auf den Innenblock mit Wilmsen und Toon Leenders kommt jede Menge Arbeit zu. Sie müssen die Balance halten, müssen die Rückraumspieler Vuckovic, Sanikis und Vasilakis energisch attackieren, ohne jedoch Weltmeister Andrej Klimovets am Kreis zu viel Raum zu lassen. Das Zusammenwirken dieses Quartetts ist für Bültmann das „Prunkstück“ beim Gegner. „Das sind keine Brecher“, beschreibt er die Gegner, „aber sie sind explosiv und schnell. Und das ist der Unterschied zur Zweiten Liga.“ Auch Mickal, der im Januar zu einem Lehrgang der tschechischen Nationalmannschaft eingeladen ist, weiß: „Die sind individuell ganz stark.“

Die Gäste reisen bereits heute an und beziehen in der Nähe ein Tageshotel – ein deutliches Indiz, dass sie den Tabellenvierten der 2. Liga Nord nicht auf die leichte Schulter nehmen. Roth bereitete sein in der Liga zuletzt drei Mal in Folge siegreiches Team mit intensivem Videostudium auf die HSG vor. „Wir wissen um die Gefährlichkeit einzelner Spieler“, sagt er, „das sollte uns davor bewahren, diese Mannschaft zu unterschätzen.“ Roth weiß, wovon er spricht: Schließlich ist er in der 2. Runde des Wettbewerbs mit der HSG Wetzlar beim Zweitligisten TuSpo Obernburg mit 25:33 sang- und klanglos ausgeschieden. Doch nach seinem Wechsel zur MT Melsungen ergab sich schon in der nächsten Runde die Chance zur Revanche und Obernburg wurde mit 38:33 besiegt. Und nun wollen sich die Melsunger die Chance erhalten, erstmals in der Vereinshistorie beim Final Four dabei zu sein.

Die HSG war schon vier Mal in Hamburg dabei – und schied stets im Halbfinale aus. Zuletzt 2008 gegen den HSV. Außer Bültmann ist nur noch einer dabei, der die einmalige Stimmung in der O2-Arena erlebt hat: Pavel Mickal. Der 26 Jahre alte Flügelspieler, der seit 2005 in Nordhorn spielt, erlebte die Niederlage gegen den HSV zwar nur als Reservist. Aber: „Das ist eine super Atmosphäre dort, einfach geil.“ Grund genug, dass er und seine Teamkollegen sich heute richtig reinknien, um sich diese Chance zu erhalten.

von Frank Hartlef