"Ich schreibe keinen Gegner ab"

01.08.2011

HSG-Trainer Bültmann über die Spannung in der Liga, die Zugänge und Potsdam

Das erste Drittel der Zweitliga-Saison 2010/11 hat gezeigt: Elf Mannschaften hegen berechtigte Hoffnungen auf einen der neun Qualifikationsplätze für die neue eingleisige 2. Handball-Liga. Vor dem Spitzenspiel zwischen der HSG Nordhorn-Lingen und dem 1. VfL Potsdam am Sonntag (17 Uhr, Euregium) sprach GN-Redakteur Holger Wilkens mit HSG-Trainer Heiner Bültmann.

Herr Bültmann, es gibt ein Hauen und Stechen um die direkte Qualifikation für die eingleisige 2. Liga. Aktuell wären der TV Emsdetten und TuSEM Essen als Zehnter und Elfter nicht direkt qualifiziert...

...und man kann erwarten, dass diese Vereine noch oben reinstoßen. Vom Kader her muss man Emsdetten und auch Essen höher einstufen. Mal sehen, wann sie da unten rauskommen. Ich schreibe niemanden ab, auch den Tabellenzwölften Altenholz nicht. Sie sammeln auch ihre Punkte. Viele Mannschaften liegen eng zusammen, und eigentlich gibt es an jedem Spieltag mindestens eine Überraschung. Ich sage: Man hat in dieser 2. Liga nur dann Erfolg, wenn man in jedem Spiel 100 Prozent gibt.%break%

Das gilt auch für die HSG Nordhorn-Lingen.

Natürlich haben wir auch diese Erfahrung gemacht – erfreulicherweise vor allem im positiven Sinne. Meine Mannschaft hat bislang immer alles gegeben. Bei unseren drei Niederlagen war der Gegner in dem Moment einfach etwas besser.

Zuletzt gab es aber drei wichtige Siege gegen Emsdetten, in Bad Schwartau und gegen Essen. Die Form ist gut, da kommt am Sonntag der Tabellendritte 1. VfL Potsdam gerade recht, oder?

Wir haben durch die letzten Spiele an Selbstvertrauen gewonnen. Und vor allem die Heimspiele liefen immer gut. Vor heimischem Publikum wollen wir natürlich ungeschlagen bleiben und am besten gewinnen. Wir können gegen Potsdam einen weiteren Sprung nach oben machen.

Warum mischen die Potsdamer wie schon im Vorjahr wieder in der Spitzengruppe mit?

Der 1. VfL Potsdam setzt seit Jahren auf Kontinuität, Abläufe sind automatisiert. Und er hat mit Victor Pohlack, Lars Melzer, Stephan Mellack und Enrico Bolduan vier ganz erfahrene Rückraumspieler, dazu mit Alexander Urban einen starken Mann am Kreis. Es ist kein Zufall, dass Potsdam in vielen Spielen zurückliegt, diese aber noch mit ein oder zwei Toren gewinnt: In wichtigen Spielphasen macht die Mannschaft oft das Richtige.

Potsdam hat am Sonnabend knapp gegen Edewecht gewonnen, die HSG war spielfrei. Könnte Ihrer Mannschaft der Rhythmus fehlen?

Wir haben die Pause im Spielplan genutzt, um uns auf das harte Programm bis Jahresende vorzubereiten. Nach dem Essen-Spiel gab’s neun intensive Einheiten an fünf Tagen. Da haben wir konditionell noch eine Schippe draufgelegt. Zuletzt haben wir im Handballtraining viel individuell gearbeitet. Angeschlagene Spieler wie Pavel Mickal, Nils Meyer (beide Knieprobleme, die Red.) und Bobby Schagen (Daumenverletzung, die Red.) konnten die Zeit nutzen, um sich auszukurieren. Außerdem hilft natürlich jede Trainingswoche, um sich als Team zu finden.

Stimmt der Eindruck, dass sich die externen Sommer-Zugänge in Nordhorn sehr wohl fühlen?

Ja, alle Drei haben sich in Nordhorn gut eingelebt. Die Integration klappte schnell und problemlos. Und sie haben voll eingeschlagen. Der Niederländer Bobby Schagen ist unser bester Torschütze, außerdem dank seiner Spielweise schon einer der Publikumslieblinge – und das mit 20 Jahren. Nils Meyer macht seine Aufgabe im ungewohnten linken Rückraum unglaublich gut, und Matthias Struck wird immer besser und besser. Er macht mit seiner Dynamik das, was wir uns von ihm erhofft hatten: die einfachen Tore aus dem Rückraum.

Bis Silvester stehen neun Pflichtspiele und drei englische Wochen an. Welches Ziel haben Sie sich für den Jahresendspurt gesetzt?

Eigentlich gilt unsere volle Konzentration immer nur dem nächsten Gegner. Aber natürlich wollen wir uns bis zur WM-Pause im Januar oben festsetzen und einen Abstand zwischen uns und Platz zehn legen. Punktvorgaben mache ich allerdings nicht – das bringt nix.

von Holger Wilkens