Montag, 29.11.2010

HSG kommt eindrucksvoll zurück


Nordhorner Zweitliga-Handballer holen nach 11:18-Rückstand noch ein 20:20

Die offensive 4:2-Abwehr der Gastgeber bereitete den Grafschaftern große Probleme. Bobby Schagen traf zwei Sekunden vor dem Ende vom Siebenmeter-Punkt zum verdienten Ausgleich.

Die Zweitliga-Handballer der HSG Nordhorn-Lingen halten weiter Kurs auf die eingleisige zweite Liga: Am Sonnabend kamen die Grafschafter beim Wilhelmshavener HV zu einem 20:20 (8:11)-Remis und verbesserten ihr Punktekonto auf 16:8 Zähler, die nach wie vor Tabellenplatz fünf bedeuten.

Nach knapp 40 Minuten hatte aber kaum einer der 1513 Zuschauer in der Nordfrost-Arena – und sicher auch keiner der knapp 70 mitgereisten HSG-Fans – mit einem Punktgewinn der Mannschaft von Trainer Heiner Bültmann gerechnet. Zu diesem Zeitpunkt führten die Jadestädter verdient mit 18:11 Toren. Die offensive 4:2-Abwehr der Gastgeber hatte, wie schon bei den Heimspielen gegen Schwerin und Rostock, auch den Nordhorner Rückraum an die Kette gelegt und die Gäste damit vor große Probleme gestellt. „Du kannst dich im Training nicht auf diese Abwehr vorbereiten“, sagte Bültmann. „Man kann das zwar simulieren, aber nicht mit dieser Aggressivität. Was im Training so einfach klappt, funktioniert im Spiel noch lange nicht.“ Die Folge: Herausgespielte Treffer blieben Mangelware, zudem leisteten sich die Spieler um Stephan Wilmsen eine ganze Reihe technischer Fehler, die der WHV immer wieder zu Gegenstoßtoren nutzte. Auch die 6:0-Abwehr der HSG wackelte zu Beginn der zweiten Halbzeit bedenklich, als die Gastgeber vom 11:8-Pausenstand schnell auf 17:10 davonzogen (36.). Bültmann zog die Reißleine und stellte seine Jungs vor die Wahl – abschießen lassen oder kämpfen.%break%

Lange überlegen mussten die Grafschafter offensichtlich nicht, denn die Antwort auf dem Feld folgte prompt. Die 6:0-Abwehr stand fortan wie eine Mauer und zwang die Gastgeber nun gleich reihenweise an den Rand des passiven Spiels. Notwürfe waren die Folge, die entweder am starken Innenblock abprallten oder sichere Beute des immer stärker werden Björn Buhrmester wurden.

Im Angriff taten sich die Grafschafter zwar immer noch schwer, irgendwie fand der Ball aber doch hier und da den Weg am Junioren-Nationalkeeper Krechel vorbei in die Maschen. So schmolz der Vorsprung der Jadestädter, die in dieser Phase insgesamt 18 Minuten (!) ohne eigenen Treffer blieben, Tor um Tor zusammen. Ratlosigkeit machte sich breit und spätestens nach dem 18:18-Ausgleich durch Pavel Mickal auch Nervosität (57.). Barkow brachte den WHV mit 19:18 in Front, doch trotz einer Hinausstellung gegen Mickal fand die HSG auch in Unterzahl die passende Antwort, als Nils Meyer den Ball fast von der Grundlinie aus an Krechel vorbei ins Tor wuchtete. Die Schlussminute wurde schließlich vom Siebenmeter-Punkt entschieden: Geppert bewahrte zunächst die Nerven und überwand Buhrmester zum 20:19 für den WHV. Auf der Gegenseite traf Bobby Schagen zwei Sekunden vor dem Ende zum letztlich verdienten Ausgleich und sicherte seiner Mannschaft damit einen wichtigen Punkt.

Über die Szene, die kurz vor dem Ende zum Ausgleich führte, wurde nach dem Abpfiff reichlich diskutiert. Schagen kam von der Rechtsaußen-Position relativ frei zum Wurf und zog den Ball am langen Eck vorbei. Die folgende Strafwurf-Entscheidung – plus eine Zweiminuten-Strafe gegen Warnecke – sorgte auf den Rängen für blankes Entsetzen. Nicht aber bei Bültmann: „Hut ab vor den Schiedsrichtern, dass sie den Mut hatten, in dieser Situation die richtige Entscheidung zu treffen“, sagte der HSG-Coach. „Ich habe Bobby gefragt und er hat gesagt, dass es ein Foul war. Deshalb war die Entscheidung auch vollkommen korrekt.“ Warnecke vertrat hingegen eine ganz andere Ansicht: „Klar führe ich ihn an der Hüfte“, gab der WHV-Linksaußen zu Protokoll, „aber das passiert in dieser Liga bei jedem Wurf, den man sich von außen nimmt. Das war nie und nimmer ein Siebenmeter.“

von Carsten Conrads