HSG auf bestem Wege in eingleisige 2. Liga

01.08.2011

Zwischenbilanz nach erstem Saisondrittel: TuSEM Essen wäre als Elfter derzeit nicht dabei

Bei der Zusammenlegung von Nord- und Südstaffel drohen prominente Opfer: Mit Varel und Altenholz liegen traditionelle Zweitligisten derzeit unter der Qualifikationsmarke, die bei Rang neun angesiedelt ist.

Ein Drittel der Saison in der 2. Handball-Bundesliga Nord ist absolviert. Und hätte das aktuelle Tabellenbild auch nach 34 Spieltagen noch Bestand, würden am Saisonende bei der Qualifikation für die eingleisige Zweite Liga einige prominente Namen durchs Raster fallen: Der mehrfache deutsche Meister und Pokalsieger TuSEM Essen würde als Elfter ebenso von der Zweitliga-Landkarte verschwinden wie der TSV Altenholz (14.) und die HSG Varel (15.), seit Jahren feste Größen der Nord-Staffel. Ex-Bundesligist Wilhelmshavener HV würde als Neunter so gerade noch den Sprung in die Eingleisigkeit schaffen, während der Dessau-Roßlauer HV als Zehnter in die Relegation müsste, in der mit dem Süd-Zehnten sowie den Meistern der vier Dritten Ligen zwei freie Plätze ausgespielt werden.

Die HSG Nordhorn-Lingen ist als Fünfter mit 16:8 Punkten auf dem besten Weg, das gesteckte Saisonziel zu erreichen. Mehr noch: Die Mannschaft von Trainer Heiner Bültmann könnte bis auf zwei Punkte an Spitzenreiter GWD Minden (20:6) heran rücken, wenn morgen, Mittwoch, das Nachholspiel beim punktgleichen Tabellennachbarn SV Post Schwerin gewonnen wird (19.30 Uhr, Kongresshalle). „Sportlich läuft es gut“, sagt Rüdiger Ebert, doch der vor allem für Sponsoring zuständige Geschäftsführer der HSG Nordhorn-Lingen GmbH will eine mögliche Rückkehr des Europacupsiegers von 2008 gar nicht erst groß thematisieren: „Für uns geht es um weitere Konsolidierung“, setzt er nach Insolvenz und Zwangsabstieg im Jahr 2009 auf eine schrittweise Entwicklung.%break%

Sportlich, findet Bültmann, „sieht es gut aus“. Aber auch der Trainer und seine Spieler winken beim Thema Meisterschaft ab: „Auch wenn es blöd klingt, das immer zu wiederholen: Wir gucken immer nur aufs nächste Spiel.“ Mit dem 20:20 beim ehemaligen Erstliga-Rivalen Wilhelmshavener HV hat sein Team zuletzt erneut einen wichtigen Punkt gegen einen direkten Konkurrenten im Qualifikations-Rennen für die eingleisige 2. Liga geholt. Zu den Auffälligkeiten dieser Saison gehört, dass es gerade auswärts schwer fällt zu punkten: So musste am vergangenen Wochenende Spitzenreiter GWD Minden (20:6 Punkte) mit 27:37 in Essen die zweite Saisonniederlage hinnehmen. Und bei nur sechs Punkten aus bislang sechs Auswärtsspielen sieht das „Mindener Tageblatt“ für die geplante umgehende Rückkehr in die 1. Liga schwarz. Dafür, so prophezeit die Zeitung den Grün-Weißen, werde „so eine Bilanz garantiert nicht reichen“. Daheim stehen dafür 14:0 Punkte für die Dankerser zu Buche. Und von den ersten neun Mannschaften der Tabelle haben sechs in eigener Halle noch nicht verloren, darunter auch die HSG, die im Euregium bislang 13:1 Punkte einfuhr. „Zu Hause legt jede Mannschaft in dieser wichtigen Saison noch eine Schippe mehr drauf“, ist der Eindruck von Bültmann. Außer Minden und Nordhorn sind auch Potsdam, Hildesheim, Rostock und Emsdetten daheim noch ungeschlagen.

Eine weitere Auffälligkeit der Tabelle: Potsdam (18:8) auf Rang drei und Wilhelmshaven (13:11) auf Platz neun sind nur um drei Minuspunkte voneinander getrennt. „Das ist eine ganz enge Kiste“, sieht Bültmann seine Erwartungen zu Saisonbeginn erfüllt. Einen deutlicheren Schnitt gibt es erst hinter dem TuSEM (12:14) auf Platz elf. Der SC Magdeburg II (10:18) wird auf Rang zwölf geführt, kann sich die 2. Liga aber sowieso abschminken, da Reserven dort nicht zugelassen werden. Und der VfL Edewecht (8:16) führt als 13. das Feld jener Teams an, die schon ein wenig abgeschlagen sind. Beim Tabellenletzten HC Aschersleben (2:24) hat man die 2. Liga bereits abgeschrieben: „Der Zug ist abgefahren. Die künftige Zweite Liga ist für uns utopisch geworden“, sagte HCA-Vorsitzender Jürgen Arndt jüngst enttäuscht der „Mitteldeutschen Zeitung“.

Im Süden gibt es in der Tabelle sogar schon ab Platz neun einen klaren Schnitt. Diesen letzten direkt zur eingleisigen Zweiten Liga berechtigenden Platz belegt nach 14 Spieltagen der HC Erlangen (15:13). Die vier nachfolgenden Teams haben mit je 11:17 Zählern schon einen beachtlichen Rückstand. Allerdings: Die Erlanger machten in dieser Saison schon Schlagzeilen wegen wirtschaftlicher Probleme, die mittlerweile jedoch behoben sein sollen.

Dennoch: Wer letztlich die Lizenz für die 2. Liga bekommt, wird wohl nicht nur sportlich entschieden. Zum morgigen 1. Dezember müssen die Vereine die Lizenz für die eingleisige Liga beantragen; dabei handelt es sich allerdings erst einmal um einen rein formalen Akt, mit dem lediglich die grundsätzliche Bereitschaft angekündigt wird, sich dem eigentlichen Verfahren stellen zu wollen. „Wir haben unsere Unterlagen bereits vergangene Woche fristgerecht abgegeben“, sagt Gerhard Blömers, der für die kaufmännische Seite verantwortliche Geschäftsführer der HSG Nordhorn-Lingen GmbH. Allerdings müssen die entscheidenden Unterlagen mit der wirtschaftlichen Planung erst zum 1. März eingereicht werden. Dennoch erwarten einige, dass sich bereits jetzt die Spreu vom Weizen trennen könnte: „Ich bin gespannt“, sagte Dessaus Präsident Thomas Zänger jüngst der Mitteldeutschen Zeitung, „wer alles diesen Lizenzantrag stellt.“

von Frank Hartlef