"Free Play" statt fester Abläufe

01.08.2011

HSG Nordhorn-Lingen trifft heute in Wilhelmshaven auf ungewohnte Abwehr

Anders als fast alle anderen Handball-Zweitligisten verteidigt der Wilhelmshavener HV außergewöhnlich offensiv. Die HSG Nordhorn-Lingen hofft, heute Abend (19.30 Uhr) in der Nordfrost-Arena die sich auftuenden Lücken in der 4:2-Deckung zu finden – auch wenn der dafür prädestinierte Pavel Mickal wohl ausfallen wird.

Mit seiner Schnelligkeit, seiner Erfahrung, seinem Spielverständnis und seinen Qualitäten in Eins-gegen-Eins-Situationen ist Pavel Mickal geradezu der ideale Angriffsspieler, wenn es gegen offensiv verteidigende Mannschaften geht. Die HSG Nordhorn-Lingen trifft heute Abend (19.30 Uhr) in der Wilhelmshavener Nordfrost-Arena auf eine dieser Mannschaften – und ausgerechnet jetzt hat sich der tschechische Nationalspieler eine Krankheit eingefangen. Der Linksaußen fühlt sich immer noch schlapp, das am Dienstag aufgetretene Fieber ist bis gestern noch nicht zurückgegangen. „Pavel wird wohl ausfallen“, sagt HSG-Trainer Heiner Bültmann. Die Alternative auf der linken Außenbahn hat aber gerade beim beim Wilhelmshavener HV schon nachgewiesen, das auf ihn Verlass ist: Der 21 Jahre alte Florian Lammering hatte Mickal schon in der vergangenen Saison beim WHV vertreten – und seine Sache beim 26:26 mit vier Toren gut gemacht.%break%

Im Training hat Nachwuchsspieler Christian Smemann den Kader aufgefüllt, sodass Bültmann mit zwölf Spielern auch taktisch arbeiten konnte. Der Trainer hat sein Team auf die spezielle Wilhelmshavener Deckung mit zwei vorgezogenen Spielern vorbereitet – so weit es eben geht, wie Bültmann weiß: „Wir werden viel frei spielen müssen und können nicht auf die gewohnten Abläufe zurückgreifen. ,Free Play’, würde Handball-Professor Brack sagen.“ Dabei kommt es bei den Nordhorner Angriffsbemühungen vor allem darauf an: viel Bewegung ohne Ball und Konsequenz in den Zweikämpfen. „Ohne sich festmachen zu lassen, denn darauf sind die Wilhelmshavener aus“, weiß der HSG-Coach.

Die Lücken am Kreis, die sich bei einer offenen Deckung des Gegners zwangläufig bieten, sollen Toon Leenders und Einar Ingi Hrafnsson möglichst effektiv nutzen. Der Isländer kann heute Abend auf jeden Fall spielen. Nachdem ihm am Mittwochabend eine im Training erlittene Platzwunde genau über der Nasenwurzel mit drei Stichen genäht worden war, machte Hrafnsson am Donnerstag schon die Übungseinheit wieder mit.

Beim Wilhelmshavener HV stehen gleich drei Junioren-Nationalspieler im Kader. Dies bringt dem Verein Renomee, aber bisweilen auch Probleme: Trainer Andrzej Staszewski fehlten die Jochen Geppert, René Drechsler und Oliver Krechel in der Vorbereitung auf das Nordhorn-Spiel, weil sie an einem DHB-Lehrgang teilnahmen. Am Dienstagabend gewann das WHV-Trio mit dem deutschen Junioren-Team in Steinfurt gegen die HSG mit 19:15.

 

von Holger Wilkens