Samstag, 21.08.2010

Favoriten-Duo aus Westfalen


Der TV Emsdetten gilt als ärgster Titelkonkurrent von GWD Minden

Die Mindener wollen nach dem Abstieg auf direktem Weg in die Erste Liga zurückkehren. Mit einem Etat von zwei Millionen Euro sind die Grün-Weißen der Krösus in der Nord-Staffel.

Wenn es um den Meisterschaftsfavoriten in der 2. Bundesliga Nord geht, fällt vor allem ein Name: GWD Minden. Die Dankerser sind nach zuletzt 15 Jahren in Folge in der Ersten Liga nach der vergangenen Saison abgestiegen und peilen die sofortige Rückkehr in die Beletage des deutschen Handballs an. Dazu steht Manager Horst Bredemeier ein Etat von zwei Millionen Euro zur Verfügung; gegenüber Bundesliga-Zeiten mussten die Ostwestfalen damit um 600000 Euro abspecken.

Mit Moritz Schäpsmeier (TV Großwallstadt), Stephan Just (TuS N-Lübbecke) und dem Ex-Nordhorner Niko Katsigiannis (TSV Hannover-Burgdorf) verließen zwar tragende Säulen den Verein. Doch die Zugänge verheißen, dass die Lücken adäquat geschlossen werden können. Denn: Unter den Neuen der Dankerser sind allein drei Schweden, die schon für die A-Nationalmannschaft ihres Heimatlandes gespielt haben. Die größten Hoffnungen ruhen dabei auf Dalibor Doder; der 101-fache Nationalspieler spielte in Spanien zuletzt für Ademar Leon. „Das ist schon eine Ansage“, zollt HSG-Trainer Heiner Bültmann dieser Personalie beim zweifachen deutschen Meister Respekt. In Nordhorn ist Doder bestens bekannt aus den Europacup-Duellen zwischen der HSG und BM Aragon; für das Team aus Saragossa, das 2008 im Halbfinale des EHF-Pokals am späteren Cupgewinner aus der Grafschaft scheiterte, spielte der 31 Jahre alte Spielmacher von 2005 bis 2009. Auch in der Defensive setzt der schwedische GWD-Trainer Ulf Schefvert auf zwei Landsleute: Carl Johann Andersson, der aus dem spanischen Antequera geholt wurde, soll die Abwehr organisieren. Und dahinter soll Anders Persson, der vom dänischen Erstligisten Silkeborg-Bjerringbro kam, das Tor sauber halten.%break%

Da gibt es beim Saisonziel der Dankerser keine zwei Meinungen: „Natürlich wollen und müssen wir versuchen, sofort wieder in die Erste Bundesliga zu kommen“, gibt Bredemeier den Anspruch von Mannschaft und Umfeld wider. Als alleinigen Anwärter auf Platz eins sieht jedoch zumindest Bültmann die Grün-Weißen nicht. „Ich sehe Minden und Emsdetten auf Augenhöhe“, sagt der Trainer der HSG Nordhorn-Lingen, der den TVE in zwei Punkten sogar im Vorteil sieht: „Die Mannschaft ist etwas breiter aufgestellt und eingespielt.“

Allerdings haben auch die Emsdettener mit Luka Dobolsek, der Trainer Lars Walther zum polnischen Spitzenklub Wisla Plock gefolgt ist, Duje Miljak (Skopje) und Matthias Aschenbroich (Leichlinger TV) drei Rückraumspieler verloren. Doch mit Andrej Kurchev (HSG Düsseldorf), Uros Lazarevic (Ancona) und Fannar Fridgeirsson (Reykjavik) wurden dem neuen Trainer Patrekur Johannesson erfahrene Zugänge zur Verfügung gestellt.

Hinter dem Favoriten-Duo aus Westfalen reiht Bültmann Empor Rostock, Post Schwerin und auch TuSEM Essen ein, ein weiterer Traditionsverein, der von der 2. Liga Süd in die Nord-Staffel gewechselt ist. Auch die früheren Erstligisten VfL Bad Schwartau und Eintracht Hildesheim zählt Bültmann zu den sicheren Anwärtern, die die Qualifikations-Hürde nehmen werden.

Und die HSG Nordhorn-Lingen? „Schwer einzuordnen“, findet Bültmann sein Team, das er gerne noch um einen wurfgewaltigen Halblinken ergänzt hätte. Doch auch in der derzeitigen Zusammensetzung hält er sein Team für stark genug, die Qualifikation zu meistern. Kapitän Stephan Wilmsen weiß, was ab Saisonbeginn am Sonntag, 29. August, wenn der TSV Altenholz ins Euregium kommt (17 Uhr), gefordert ist: „Da wird viel über den Kopf und die Einstellung gehen.“ Der mit 31 Jahren älteste HSG-Spieler sieht seine Mannschaft dafür bestens gerüstet: „Das sind absolute Kämpfertypen, die mit Herz und Leidenschaft dabei sind.“ Die Nordhorner wollen mit Teamgeist und Entschlossenheit glänzen – und die eingleisige Zweite Liga erreichen.

 

von Frank Hartlef