Eine beispiellose Verletztenmisere

01.08.2011

HSG-Gegner Emsdetten beklagt sechs Ausfälle – Thünemann fehlt sechs Wochen

Trainer Patrekur Johannesson ist um seine Aufgabe beim westfälischen Handball-Zweitligisten derzeit nicht zu beneiden. Vor allem die Abwehr bereitet Probleme.

Die Ambitionen des TV Emsdetten, in der 2. Handball-Bundesliga Nord an der Spitze mitzumischen, wurden schon zu Saisonbeginn arg gedämpft. Der Vizemeister des vergangenen Jahres, der übermorgen, Sonntag, zu Gast bei der HSG Nordhorn-Lingen ist (17 Uhr, Euregium), leidet unter einer fast beispiellosen Verletztenmisere. Folge: Die Westfalen, die im Sommer nur äußerst knapp in der Relegationsrunde am Dormagener Erstligisten DHC Rheinland gescheitert sind, finden sich mit 6:6 Punkten nur auf Platz zehn wieder.

Trainer Patrekur Johannesson, der vor der Saison das Amt von Lars Walther übernahm, beklagte zuletzt mit Eelco Weevers, Petr Kust, Achim Cordes, Patrik Kvalvik und Fannar Fridgeirsson fünf verletzte Stammkräfte. Und jetzt fällt auch noch Kreisläufer Stefan Thünemann laut Vereins-Homepage für sechs Wochen aus. Da wundert es nicht, dass der TVE-Motor nach zwei Siegen zum Auftakt ins Stocken geriet. In Essen (31:33) und Potsdam (29:32) hielten sich die Niederlagen noch in Grenzen, doch beim letzten Auswärtsspiel in Rostock kassierten die Emsdettener eine 33:39-Schlappe. Es war die höchste Zweitliga-Niederlage seit April 2009 (30:37 bei Eintracht Hildesheim).%break%

Eine Serie von drei Auswärtsniederlagen am Stück gab es zuletzt zum Ausklang der Saison 2007/08. Damals wurde die Misere im letzten Match in Spenge beendet (33:33). Vier Auswärtsniederlagen hintereinander gab es letztmals im Frühjahr 2007. In der Vorsaison konnte zudem eine weitere schwarze Serie beendet werden. Nach fünf Gastspielpleiten in Folge konnte Emsdetten erstmals wieder gegen Nordhorn gewinnen. Elvir Selmanovic sorgte 30 Sekunden vor dem Ende mit einem Siebenmetertor für den 32:31-Sieg.

Selmanovic ist auch derzeit Dreh- und Angelpunkt des Emsdettener Spiels. Mit 52 Treffern liegt er auf Rang fünf der Torjägerliste. Zudem ist der Rückraumspieler der beste Siebenmeterschütze der Liga, 27 Treffer gehen auf sein Konto. Seine Erfolgsquote von 93,1 Prozent ist phantastisch. Weil Andrej Kurtchev, der im Sommer von Düsseldorf nach Emsdetten wechselte, seine zwei Strafwürfe ebenfalls verwandelte, führt der TVE zumindest die Siebenmeter-Erfolgsstatistik deutlich an (93,5 Prozent).

Die Offensive spielt noch auf Spitzenniveau. Die Torquote von 32,3 Toren pro Partie ist die drittbeste Ausbeute aller Zweitligisten. Bei der Abwehrarbeit genügen im Schnitt 30,8 Gegentore pro Begegnung nur zu Rang 14 in dieser Kategorie. Ein weiteres Indiz für Probleme bei der Defensivarbeit ist die Zahl der Zeitstrafen. Im Schnitt 10,7 Minuten wurden gegen die TVE-Akteure verhängt – kein anderer Klub kassierte mehr.