Ein Torhüter-Original meldet sich zurück

01.08.2011

Aushilfskeeper Jörg Oehus trifft mit dem VfL Edewecht auf seinen Ex-Club aus Nordhorn

Der 41-Jährige hatte eine lange und ereignisreiche Handball-Laufbahn im Sommer eigentlich schon mit einem Abschiedsspiel offiziell beendet. Nach dem Ausfall von Edewechts Keeper Raimonds Steins kehrte er nun aber auf die Bühne der 2. Liga zurück, in der er lange Jahre auch für die HSG Nordhorn aktiv war.

Eigentlich sollte im Sommer endgültig Schluss sein mit Handball – zumindest in oberen Spielklassen. Eigentlich. Jetzt meldet sich Jörg Oehus im zarten Alter von 41 Jahren in der 2. Liga zurück. Weil der VfL Edewecht nach einem Motorradunfall auf seinen Keeper Raimonds Steins verzichten muss (die GN berichteten), kam Oehus zu einem unverhofften Comeback im Bundesliga-Unterhaus. Und noch viel wichtiger: zu einem unverhofften Wiedersehen mit den Bundesliga-Handballern aus Nordhorn. Am kommenden Sonnabend ist es so weit: Um 16.30 Uhr empfängt der VfL Edewecht die HSG Nordhorn-Lingen.

„Damit habe ich nicht gerechnet“, sagt Oehus im Hinblick darauf, dass er seine Karriere im Sommer mit einem Abschiedsspiel eigentlich offiziell beendet hatte. Nach zuletzt fünf Jahren als Oberliga-Keeper bei seinem Heimatverein in Celle sollte Schluss sein mit hochklassigem Handball. Oehus ging zuletzt in der dritten Mannschaft des MTV Post Eintracht Celle selbst auf Torejagd – und zwar als Kreisläufer. Beim offiziellen Abschied im Sommer waren nach vielen Jahren bei der HSG Nordhorn natürlich viele Weggefährten aus der Grafschaft dabei. Heiner Bültmann, Trainer der HSG Nordhorn-Lingen und langjähriger Weggefährte Oehus’, musste allerdings wegen des Trainingslagers seiner Mannschaft passen. „Es passte zeitlich nicht“, sagt Bültmann.%break%

Der Nordhorner Trainer beschreibt den Keeper als extrem ehrgeizig. „Er ist einer dieser letzten Typen, dieser Originale im Tor“, sagt Bültmann. Er muss es wissen, denn der HSG-Trainer spielte in Nordhorn, Emden und Bad Salzuflen insgesamt acht Jahre an der Seite des mittlerweile 41-Jährigen. Und Bültmann weiß um die Besonderheiten, die Oehus neben seiner Erfahrung immer noch auszeichnen: „Jörg kann sich in ein Spiel reinsteigern und Gegenspieler in Psychospielchen verwickeln.“ Diese Eigenschaft ist offenbar auch den Verantwortlichen in Edewecht bekannt, denn bei der Verkündung von Oehus’ Aushilfstätigkeit zwischen den VfL-Pfosten hieß es auf der Internetseite des Zweitligisten: „Wir sind zuversichtlich, dass ein solch erfahrener Torhüter uns in dieser Situation helfen kann und durch sein imposantes Erscheinungsbild den ein oder anderen gegnerischen Angreifer abschreckt!“

Schrecken verbreitet Oehus, den die Heimatpresse in Celle vor seinem Abschiedsspiel als „Celler Handball-Legende“ titulierte, aber nur auf dem Spielfeld. Privat sei er lustig, ein umgänglicher Kumpeltyp, sagt Heiner Bültmann – „jemand, über den ich viel und mit dem ich oft gelacht habe“. Der Nordhorner Trainer freut sich auf das Kräftemessen am Sonnabend, wird seine Mannschaft aber nicht gesondert auf den zweiten Mann zwischen den VfL-Pfosten einnorden. Die bisherigen Leistungen seines Spezies haben dem HSG-Coach gezeigt, dass der Torhüter noch nicht zum alten Eisen gehört. „Er hat in den Spielen, in denen er gespielt hat, gut gespielt“, sagt Bültmann.

Jörg Oehus spielt bereits seit seinem zwölften Lebensjahr Handball. Der Wunsch, Torhüter zu werden, begleitete ihn schon früh, allerdings wollte er lieber beim Fußball zwischen den Pfosten stehen. Seine Mutter verweigerte dies mit der Begründung, dass er dabei zu dreckig werde. In dieser Hinsicht schien vom Handball weniger „Gefahr“ auszugehen, sodass Oehus’ Mutter grünes Licht gab, als ein Freund den Filius mit zu den Ballwerfern nehmen wollte. Der Rest ist schnell erzählt: Oehus stand bald zwischen den Pfosten, zeigte starke Leistungen und trainierte bereits als B-Jugendlicher bei den Männern mit. Bevor es 1992 in die Grafschaft ging, stieg der Torhüter mit dem MTV Celle in die Regionalliga auf. Mit der HSG folgten der Aufstieg in die 2. Liga und deutlich später Einsätze im Regionalliga-Team sowie ein Spiel im Europapokal (34:30 bei Strovolos Nikosia). Zwischenzeitlich spielte Oehus in Emden und Bad Salzuflen. 2005 ging es dann zurück nach Celle in die Oberliga. In der Heimat hat er im Übrigen nicht nur auf dem Feld einen Wechsel vom Tor an den Kreis vollzogen. Oehus ist auch noch Co-Trainer beim Frauen-Zweitligisten SVG Celle.

Zum Vergleich am Sonnabend werden wieder einige Weggefährten und seine in Nordhorn wohnenden Kinder Sophie (11) und Till (8) anreisen. „Sie wollen, dass es ein Unentschieden wird“, berichtet Oehus. Er ist auf Grund des Nachwuchses immer mal wieder in der Grafschaft zu Gast. Ansonsten lebt der 41-Jährige mit Freundin Kerstin in Celle und arbeitet für einen Finanzdienstleister.

Einen Tipp für den Vergleich am Sonnabend lässt sich der Routinier nicht entlocken. „Bayern kommt in die Champions League“, weicht er der Frage aus, sagt dann aber doch, was passieren muss, damit der VfL Edewecht als Sieger vom Feld geht: „Um die HSG zu schlagen, muss bei uns alles passen und die HSG darf nicht ganz so stark sein.“ An der Vorbereitung des Torhüter wird es wohl nicht scheitern, denn Oehus macht sich bereits heute auf den Weg nach Edewecht und bleibt bis zum Spieltag.

Wie lange das Comeback in der 2. Liga dauert, kann der Keeper noch nicht sagen. Einen Vorteil hat die Rückkehr ins Tor aber schon jetzt, schließlich besteht nun die Möglichkeit, ein weiteres Abschiedsspiel aufzuziehen. „Die Planungen laufen schon“, grinst der 41-Jährige und fügt hinzu, dass dies dann auch gerne ein „Spiel ohne Taschen“ sein könne.

von Martin Lüken