Ein Punkt, aber keine Feierlaune

01.08.2011

29:29 – HSG Nordhorn-Lingen hat GWD Minden am Rande einer Niederlage

Vier Minuten vor Spiel-ende führten die Nordhorner Handballer mit drei Toren. Das Top-Spiel der 2. Liga bot überraschende Wendungen, eine spannende Schlussphase – und hätte mehr als nur 1170 Zuschauer im Euregium verdient gehabt.

Mit der Gratulation seines Mindener Trainerkollegen Ulf Schefvert zum Punkt gegen GWD Minden tat sich Heiner Bültmann ein bisschen schwer. „Wenn man die Stimmung in der Kabine sieht, sind Glückwünsche eigentlich nicht angebracht“, meinte der Trainer der HSG Nordhorn-Lingen. Seine Handballer hatten gerade gegen den Zweitliga-Favoriten GWD Minden mit 29:29 (15:17) zwar ein respektables Unentschieden eingefahren. Das Ärgerliche dabei: Vier Minuten vor Schluss führten sie noch mit 29:26. „Klar, dass wir nach diesem Spielverlauf sehr unzufrieden sind“, sagte Bültmann.

Mit vier Toren in Folge hatten Kapitän Stephan Wilmsen und Co. diesen Vorsprung herausgearbeitet, danach aber ihre Zielstrebigkeit verloren bei dem Versuch, die Angriffe lange auszuspielen. „Unser Positionsspiel hat vorher auch gut funktioniert“, meinte Wilmsen, „also haben wir damit gerechnet, jetzt auch zum Tor zu kommen.“ Die HSG-Handballer brachten sich aber nicht mehr in Wurfposition – und gestatteten stattdessen den Mindenern noch einfache Tore. „Wir haben so gut in der Abwehr gestanden, aber dann schenken wir dem Rechtsaußen Gylfason zwei Treffer“, grummelte Bültmann. Tatsächlich: Die Punkteteilung ärgerte die Nordhorner mächtig.%break%

Allerdings war auch GWD-Chefcoach Schefvert nicht glücklich. Seine Mannschaft hat auch in Nordhorn nicht überzeugt, und nach einem Saisonstart mit 4:2 Punkten hockte der Trainer mit den GWD-Verantwortlichen Horst Bredemeier und Frank von Behren in den Katakomben des Euregiums. Die Gesichter deuteten an: Hier gibt’s eine Krisensitzung. „Wir hatten wieder einen schlechten Start. Da gerät man gleich unter Druck“, ärgerte sich der Schwede.

Die 4:0-Führung der HSG nach sieben Minuten glich der Bundesliga-Absteiger aber innerhalb von nur 130 Sekunden aus. Danach entwickelte sich ein unterhaltsames Spiel, in der die Führung noch sechs Mal wechselte. Nordhorn begegnete den individuellen Stärken der Mindener Leistungsträger Dalibor Doder, Aljoscha Schmidt und Rene Madsen mit einer überzeugenden Mannschaftsleistung. „Wir haben im Angriff viele Aufgaben spielerisch gelöst, in der Abwehr haben verschiedene Systeme funktioniert“, fasste Trainer Bültmann das Geschehen vor der enttäuschenden Kulisse von 1170 Zuschauern zusammen.

Dem Mindener Spielmacher Doder stellte er nach 20 Minuten den Sonderbewacher Bobby Schagen zur Seite, obwohl der schwedische Nationalspieler bis dahin dank einer sicheren Nordhorner 6:0-Deckung nicht besonders in Erscheinung getreten war. Später kümmerte sich Pavel Mickal ab und an erfolgreich um den gegnerischen Mittelmann. Das Vorhaben der HSG ging auf: Mit ihren Variationen in der Abwehr brachten sie das Angriffsspiel des Gegners ins Stocken. Und so kam es, dass Marian Hunady bester GWD-Torschütze war, der eher im Schatten seiner prominenten Nebenleute steht.

Nach sieben Toren des Ungarn hatte sich der erneut starke Torwart Björn Buhrmester aber auch auf den Linkshänder eingestellt. Mit seinen Paraden hatte er sein Team in wichtigen Phasen im Spiel gehalten, als sein Ex-Klub kurz vor und nach der Pause mit zwei Toren führte. Gegen die letzten Schüsse des schnellen Gylfason war aber auch er machtlos.

von Holger Wilkens