Donnerstag, 16.12.2010

Die individuelle Klasse entscheidet


Die HSG schlägt sich beim 22:26 im DHB-Pokal gegen Melsungen achtbar

Die Nordhorner sind im Achtelfinale des deutschen Handball-Pokals ausgeschieden. Ihren besten Werfer hatten sie im siebenfachen Torschützen Matthias Struck.

Die erhoffte Sensation blieb aus. Doch die HSG Nordhorn-Lingen verkaufte sich trotz der 22:26 (11:10)-Niederlage gestern Abend im DHB-Pokalachtelfinale gegen die MT Melsungen äußerst respektabel. Der Vierte der Zweiten Handball-Bundesliga Nord war dem 16. der Ersten Liga vor allem bei der individuellen Klasse unterlegen. „Wir haben die besseren Spieler“, nannte MT-Torhüter Mario Kelentric einen wesentlichen Pluspunkt der Gäste. Und Matthias Struck, mit sieben Toren der beste Werfer der Nordhorner nickte: „Als Mannschaft oder spielerisch waren die uns auf gar keinen Fall überlegen.“

Vor 1081 Zuschauern im Euregium brachten die Gastgeber zunächst ihre Qualitäten zum Tragen. Gestützt auf eine gute Abwehr mit einem bestens aufgelegten Björn Buhrmester im Tor, der im ersten Abschnitt mit acht Paraden ein glänzender Rückhalt war, gingen sie mit 5:2 (10.) in Führung. Da fiel es noch nicht ins Gewicht, dass die Nordhorner für ihre Treffer einen enormen Aufwand betreiben mussten. Dabei unterliefen auch ihnen in der Offensive leichtfertige Ballverluste, die aber zunächst folgenlos blieben. Die Melsunger konnten aus den Fehlern kein Kapital schlagen, ließen etliche Torchancen aus. Buhrmester parierte in der Anfangsphase einen Siebenmeter von Savas Karipidis und wehrte allein vier Bälle von Linkshänder Alexandros Vasilakis ab, der mit einem Treffer bei der Torausbeute seinen Rückraumkollegen Nenad Vuckovic (8) und Grigorios Sanikis (7) deutlich nachstand. „Die ersten 15 Minuten haben wir verschlafen“, sagte Kelentric.%break%

Dann aber gewann der Erstligist die Phase von der 11. bis zur 20. Minute mit 6:1 und bei 8:6 schien der Favorit die Partie in den Griff zu bekommen. Doch HSG-Trainer Heiner Bültmann ordnete sein Team in einer Auszeit neu. Folge: Über 8:8 (23.) sprang zur Pause eine 11:10-Führung heraus. „In der ersten Halbzeit haben wir größtenteils das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten“, bilanzierte Struck zufrieden.

Nach dem Wechsel zeichnet sich allerdings schnell ab, dass die Melsunger auch mit begrenztem Aufwand das Viertelfinale erreichen würden. Vor allem dank erfolgreicher Einzelaktionen verschafften sie sich zwischen der 39. und 45. Minute den entscheidenden Vorsprung, als sie von 15:14 auf 20:14 davon zogen. Die HSG tat sich nun immer schwerer, ihre Angriffe durchzubringen, während die MT die Fehler nun immer wieder zu leichten Toren nutzte. „Da haben wir uns im Angriff schwer getan“, sagte Struck.

Die HSG versuchte mit offensiveren Abwehrvarianten, dem Spiel eine Wende zu geben, ging erst zur 5:1- und später zur 4:2-Formation über – vergeblich. Die Melsunger brachten die Partie routiniert nach Hause. „Wir haben gewonnen und Energie gespart für das wichtige Spiel gegen Hamm“, sagte Kelentric mit Blick aufs nächste Bundesligaspiel, „es war perfekt.“

Bei der HSG nutzte Bültmann die letzten Minuten, um den Nachwuchskräften Spielzeit zu gewähren. Am Ende standen bis auf Buhrmester und dem Niederländer Toon Leenders ausschließlich einheimische Talente auf dem Feld. Und als mit Hannes Hombrink einer von ihnen sogar noch zum 21:26 traf, war den Zuschauern das einen Sonderapplaus wert.

von Frank Hartlef und Holger Wilkens