Samstag, 15.05.2010

"Abschiedsspiel" in Bernburg


Der SV Anhalt erwartet die HSG zu seinem letzten Heimspiel in der Zweiten Liga

Die Nordhorner haben sich mindestens einen Punkt zum Ziel gesetzt. Dann hätten sie einen Spieltag vor Saisonende Platz vier sicher.

Den letzten Punkt holen, um vorzeitig Tabellenplatz vier zu sichern – das ist das Ziel der HSG Nordhorn-Lingen heute, Sonnabend (Anwurf 18 Uhr), im vorletzten Saisonspiel beim SV Anhalt Bernburg. Das sollte beim Tabellenletzten eine machbare Aufgabe für das Team des Trainer-Duos Heiner Bültmann und Maik Machulla sein. Allerdings werden sich die Gastgeber nicht so ohne Weiteres in die Rolle des Punktelieferanten fügen.

Die Bernburger, die die Zweite Liga aus wirtschaftlichen Gründen verlassen müssen, wollen sich schließlich angemessen von ihren Zuschauern verabschieden. Und es ist das Abschiedsspiel für Trainer Helmut Röder, der nach einem längeren Klinikaufenthalt in Folge einer Gehirnblutung erstmals seit Mitte März wieder auf der Bank des SV Anhalt Platz nehmen wird.

„Das ist schon eine besondere Situation“, erwartet Bültmann daher einen entsprechend motivierten Gegner. „Wir werden auch gegen Nordhorn alles versuchen, um das bestmögliche Resultat zu erreichen“, verspricht SVA-Kapitän Michael Krause, der Röder in den vergangenen Wochen vertreten hat. Zumal die Gastgeber noch einen weiteren Grund haben, sich gegen die Grafschafter richtig reinzuknien: Mit 25:35 kassierten sie im Hinspiel eine ihrer höchsten Auswärtsniederlagen dieser Saison. Und vor allem HSG-Torjäger Michael Jahns, der aus Sachsen-Anhalt stammt und in der Landeshauptstadt Magdeburg wohnt, schenkte den Bernburgern mit 13 Toren ordentlich ein.%break%

Bis auf Nicky Verjans (Rekonvaleszent) machen sich die Nordhorner heute in bester Besetzung auf den Weg. Auch Stephan Wilmsen ist wieder vollständig hergestellt, hat nach einer hartnäckigen Grippe in dieser Woche wieder voll trainiert.

Das vorangegangene Derby der Bernburger gegen den Erzrivalen Dessau-Roßlauer HV (23:28) wollten nur 617 Besucher – so wenige wie nie zuvor. Und die Stimmung glich einer Trauerfeier. Für die Vollprofis im Team, wie zum Beispiel Torhüter Luchien Zwiers, ist die Lage wegen ausbleibender Gehälter prekär. „Vor den Jungs kann man nur mit größtem Respekt den Hut ziehen“, sagte Röder der Mitteldeutschen Zeitung, „Die haben ihr letztes Hemd für den Verein gegeben, obwohl sie in den letzten fünf Monaten keinen Cent gesehen haben.“

Zweitliga-Tauglichkeit allerdings ging dem Team völlig ab: Mit nur je zwei Siegen und Unentschieden ist es die heimschwächste Mannschaft der Liga, stellt mit einer Torquote von 26,2 den schwächsten Angriff und mit 31,1 Gegentoren die zweitschlechteste Abwehr. Trotz der sportlichen Misere verfügt Bernburg über einen überdurchschnittlichen Angreifer. Michael Panfil ist mit 154 Treffern 14. der Torjägerliste in der 2. Liga.

von Frank Hartlef