Abgang als Torschützenkönig

01.08.2011

Nach 31:32-Niederlage gegen Emsdetten verabschiedet die HSG vier Spieler

Maik Machulla erzielte in seinem letzten Spiel für Nordhorn noch einmal elf Tore und sicherte sich damit die Torjäger-Krone der 2. Liga Nord. Auch Nicky Verjans sowie Helge und Eike Rigterink kehren dem Euregium den Rücken.

Die HSG Nordhorn-Lingen hat ihr letztes Saisonspiel gegen den TV Emsdetten verloren. Doch das 31:32 (15:20) hatte für beide Mannschaften keine Auswirkungen mehr auf die Abschlusstabelle der 2. Handball-Bundesliga Nord. Während der HSG Platz vier nicht mehr zu nehmen war, stand der TVE, der von vielen Fans begleitet wurde, schon vorher als Vizemeister fest und trifft im ersten Teil der Erstliga-Relegation nun auf den Zweiten der Süd-Staffel, den Bergischen HC.

Obwohl es für beide Mannschaften vor offiziell 2270 Fans um nichts mehr ging, lieferten sie sich eine kämpferische Partie. Vor allem Maik Machulla, Helge und Eike Rigterink sowie der verletzte Kapitän Nicky Verjans, die die HSG verlassen, hätten sich gern mit einem Sieg verabschiedet. Machulla war mit elf Toren wieder bester Werfer seines Teams. Damit sicherte der Spielertrainer sich in der letzten Partie vor seinem Wechsel zur HSG Ahlen-Hamm noch die Torjägerkrone in der Nord-Staffel (s. nebenstehenden Bericht). Der Spielmacher, der nach acht Jahren in Nordhorn beim Bundesliga-Aufsteiger eine neue Herausforderung sucht, hatte somit großen Anteil daran, dass die Gastgeber nach einem Rückstand von bis zu fünf Toren noch einmal ins Spiel zurückkehrten. Er sorgte mit seinem Treffer zum 25:25 (49.) für den erstmaligen Ausgleich seit dem 10:10 (16.); mit einem verwandelten Siebenmeter zum 27:26 (52.) stellte er die erste HSG-Führung seit dem 5:4 (6.) her; und mit drei Toren in Folge in dieser Phase behauptete der Mittelmann den knappen Vorsprung bei 28:27 (53.) und 29:28 (54.) quasi im Alleingang. Schade: Bei 30:31 (58.) scheiterte Machulla mit einem Strafwurf an TVE-Torhüter Hreidar Gudmundsson, sonst wäre möglicherweise ein gerechtes Unentschieden heraus gesprungen.%break%

Den stimmungsvollen Abschied vor einigen hundert Fans trübte das jedoch nicht. HSG-Vorsitzender Thomas Kolde ernannte Machulla zum Ehrenmitglied; er ist nach Holger Glandorf, Ola Lindgren und Peter Gentzel der Vierte, dem diese Ehre zuteil wird. „Du hast soviel für uns getan“, würdigte Kolde die Verdienste Machullas um den Klub und versprach ihm genau wie Verjans: „Was ihr getan habt, werden wir euch hier nie vergessen.“ Damit zielte Kolde weniger auf die Erfolge wie den Europacupsieg 2008 ab, sondern vielmehr darauf, dass sich beide im vergangenen Jahr zur HSG bekannten, als die Zukunft nach Insolvenz und Zwangsabstieg längst nicht gesichert war. „Ihr seid nicht nur großartige Sportler“, sagte Kolde, „sondern ganz tolle Menschen.“

Seine Tochter an der Hand, die Eltern unter den Fans vor der Bühne, hatte Machulla mit den Gefühlen zu kämpfen, als er für ein paar Worte des Abschieds zum Mikrofon griff. „Ihr bleibt für immer in meinem Herzen und Kopf“, rief er den Anhängern zu.

icky Verjans, der zum TuS N-Lübbecke in die 1. Liga wechselt, ließ noch einmal seine fünf Jahre bei der HSG Revue passieren – wie er als 17-Jähriger 2006 in einem Europacup-Halbfinale dabei war, dass ihn die HSG-Mitarbeiter Stephan van Slooten und Melanie Tebbel im ersten Jahr „gefühlte 500 Mal“ zur Schule nach Oldenzaal gefahren haben und dass ihm HSG-Ehrenvorsitzender Jürgen Becker 14 Monate lang ein Heim gegeben hat. Bei soviel Verbundenheit ist sich Kolde, der zuvor auch Helge und Eike Rigterink verabschiedet hatte, die sich vornehmlich aus beruflichen Gründen anders orientieren, ganz sicher: „Nicky“, wandte sich der HSG-Vorsitzende an den Niederländer, „wenn du ein, zwei Jahre in Lübbecke gespielt hast, kommst du sowieso zu uns zurück.“

von Frank Hartlef