So, das war sie, die Handballeuropameisterschaft 2012 in Serbien. Der letzte Tag begann gestern mit dem Spiel um den dritten Platz zwischen Spanien und Kroatien. Die meisten aus unserer Gruppe hielten die Spanier für favorisiert, ich fand sie, wie schon beschrieben, spielerisch nicht so stark. Die Kroaten stellten eine kompakte und sehr bewegliche 6-0 Deckung hin, rückten dabei immer offensiv auf den Ballführer raus sodass die Spanier reihenweise Fehlwürfe produzierten, weit übers oder neben das Tor und zwar immer wieder, einfach unglaublich. Die Kroaten ihrerseits zeigten sich im Abschluss und im Zusammenspiel mit ihrem Kreisläufer sehr sicher. Die Spanier versuchten es mit 3,2,1 Abwehr, doch die stellte die Kroaten am gestrigen Tag vor keine großen Probleme. Immer wieder fanden sie im eins gegen eins die Lücke, während sich die Spanier verzweifelt im Infight versuchten und nur durch Einzelaktionen oder mal durch Nachlässigkeiten der Kroaten zu Toren und etwas näher rankamen. Da auch inzwischen einige Serben in der Halle waren wurden die kroatischen Angriffe von gellenden Pfiffen begleitet. Davon unbeeindruckt siegten die Kroaten völlig verdient mit 31:27 und wir fragten uns wieso die Spanier so weit kommen konnten, denn ihre spielerischen Möglichkeiten waren wirklich sehr überschaubar. Danach folgte das Endspiel, auch das war kein spielerisches "Highlight", dazu waren die Serben an diesem Tag nicht stark genug. Sie begannen sehr nervös, kein Wunder bei dem immensen Druck von außen. Die Folge waren zahlreiche technische Fehler, die die Dänen zu schnellen Toren nutzten, wobei sich besonders Mikel Hansen hervortat, der gestern einen Sahnetag erwischt hatte. Hinzu kam, dass auch die Dänen mit einer sehr beweglichen Deckung agierten, die die Serben häufig vor unlösbare Aufgaben stellte, die Folge war wiederholtes Zeitspiel. Hinzu kam, dass ihr Torwart N. Landin eine weitere große Hürde für die Serben wurde. Er verfügt trotz seiner erst 20 Jahre schon über ein ganz exzellentes Stellungsspiel, er war einfach immer schon da, wenn mal ein Wurf der Serben durchkam. Ihr eigener Torwart war auch gut in Form und sorgte dafür, dass es letztlich nur zwei Tore Differenz gab, obwohl der spielerische Abstand durchaus größer war als 21:19.
Als bei der Siegerehrung sowohl die Kroaten als auch die Dänen gellend ausgepfiffen wurden versuchte man dieses äußerst unfaire Verhalten durch besonders laute Musikeinspielungen zu überdecken. Dieses Verhalten und der Angriff der serbischen Hooligans vom Dienstag, der dazu geführt hat, dass die Kroaten, eh schon angefeindet, fast ganz ohne eigene Fans blieben, wird mir in negativer Erinnerung bleiben. Wobei wir auch fanden, dass sich der Hallensprecher durchaus hätte zurücknehmen und nicht noch weiter hätte aufputschen müssen. Abseits vom Sport haben wir sehr nette, aufgeschlossene und hilfsbereite Serben kennengelernt, die ihr Land lieben und auch positiv darstellen wollen und auch kein Verständnis für solch Anfeindungen und Fanatismus haben. Die wollen wie unsere Belgradführerin Milena nach vorne schauen " das ist jetzt schon viele Jahre her" "wir müssen die Zukunft entwickeln". Und da hat Serbien mit seiner Kultur
und Natur einiges zu bieten, was sich zu entdecken durchaus lohnt.
Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »RAWI« (30. Januar 2012, 23:26)