Bericht aus den Kieler Nachrichten vom 15.10.03
HSG-Trainer Lindgren verhinderte Siegtreffer
Pavlovics letztes Tor zählte nicht – THW erkämpfte 29:29 in Nordhorn
Von Wolf Paarmann
Nordhorn – Fast hätte der THW Kiel beim 29:29 (13:13) bei der HSG Nordhorn das Euregium gestern Abend noch mit leeren Händen verlassen. In einer dramatischen Partie erzielte ausgerechnet der Ex-Kieler Ljubomir Pavlovic in der Schlussminute den Siegtreffer ...
... dachten alle 3600 Zuschauer, doch das Tor zählte nicht, denn HSG-Trainer Ola Lindgren (Noka Serdarusic: „Er konnte nie sicher sein, dass er gewinnt“) hatte Sekunden zuvor eine Auszeit angezeigt. Das Glück hatten sich die Kieler zumindest durch eine gute kämpferische Leistung verdient. Gerade in der ersten Halbzeit lief im Spielaufbau nicht viel zusammen. Martin Boquist bekam den roten Faden nicht zu fassen und musste bis zur 40. Minute auf der Bank brummen. Doch auch Demetrio Lozano, dem das Europapokal-Spiel in Ljubuski noch im Knie steckte und der mit Rückenproblemen gestartete Piotr Przybecki konnten der Partie nicht ihren Stempel aufdrücken. Gerade die sonst so millimetergenauer Anspiele zu Marcus Ahlm blieben aus. Der schwedische Kreisläufer, dem nur ein Tor gelang, war im robusten HSGMittelblock mit Robert Arrhenius und Ian-Marko Fog aber auch gut aufgehoben.
Doch auch die Hausherren blieben im Angriff einiges schuldig. Der gerade von einer Schulterverletzung genesene Ljubomir Vranjes fiel lediglich durch seine krummen Säbelbeine auf. So stand die Partie im Zeichen der beiden Abwehrreihen, die zusammen mehr als 1500 Länderspiele auf die Waage brachten. Sehenswert in Durchgang eins war lediglich ein sensationelles Anspiel von HSG-Keeper Peter Gentzel, der im Sitzen seinen Rechtsaußen Jan Filip auf die Reise schickte. Der Tscheche traf zum 9:6, Serdarusic nahm eine Auszeit. Kiel kämpfte sich mit Einzelleistungen immer wieder heran, glich zur Pause durch Johan Petersson zum 13:13 aus. Der Ex-Nordhorner warf alle fünf Tore in Halbzeit eins.
Nach dem Wechsel drehten beide Teams noch einmal an der Temposchraube und zeigten zudem schöne Kombinationen. Besonders der Kieler Roman Pungartnik (8 Tore) und der Nordhorner Holger Glandorf (10) trumpften nun auf. „Mit deutschen Nationalspielern haben wir unsere Probleme“, flachste Klaus-Dieter Petersen, „die werfen gegen uns immer so viele Tore.“ Bei der 29:33-Niederlage in Lemgo vor neun Tagen warfen Daniel Stephan und Volker Zerbe insgesamt 15.
„Wir wollten im Oktober mindestens vier Punkte machen. Jetzt haben wir nur einen“, rechnete „Pitti“ fehlerfrei. „Das können wir also auch mit einem Sieg gegen Hamburg nicht mehr schaffen.“
Dabei hatte der Abend für die Kieler so gut begonnen. Vor dem Punktspiel gegen die Niedersachsen wurde im Euregium live die dritte Runde im DHBPokal ausgelost. Als nur noch acht Lose in der Trommel war, orakelte THW-Manager Uwe Schwenker schon, dass Kiel und Flensburg wieder aufeinander treffen: „Da kann man die Uhr nach stellen.“ Am Ende erwischte Flensburg aber Tu-SEM Essen und der THW den Regionalligisten HG 85 Köthen. Schwenker: „Das war das Wunschlos unseres Trainer, schließlich kommt einer unserer Busfahrer aus Köthen.“
CU
kermit