Fernsehvertrag und kein Ende - nun sorgt Zimmer für Irritati
Am vergangenen Montag saßen in Hamburg die Verhandlungsführer der Handball-Bundesliga und Vertreter des DSF erneut zusammen, um letzte Details des neuen TV-Vertrages zu klären: Ergebnis: keines! Knapp eine Woche vor dem Start der neuen Saison verdichten sich die Anzeichen, dass es künftig im DSF keinen Live-Handball mehr geben wird.
Olaf Nolden (21.08.2003) - handballimfernsehen.de
Anlass für den neuerlichen Zwist ist, neben dem vom DSF geforderten Produktionskostenzuschuss, das plötzliche Auftauchen von Spielerberater Uwe Zimmer am Verhandlungstisch. Zimmer, der u.a. für die Vermittlung von Nenad Perunicic und "Jogi" Bitter zum SC Magdeburg verantwortlich war und insgesamt mehr als 30 Spieler unter Vertrag hat, ist neuerdings mit seiner Firma Top Management System (TMS) in das TV-Geschäft eingestiegen und zeichnete im Frühjahr für die DSF-Liveübertragung des Schweizer Pokalfinales verantwortlich. Die abgesagte DSF-Übertragung des Freundschaftsspiels des TBV Lemgo gegen den FC Barcelona sollte ebenfalls vergangene Woche von Zimmers Produktionsfirma hergestellt werden, wurde jedoch kurzfristig mangels Refinanzierbarkeit aus dem Programm genommen. Uwe Zimmer, der die Vermarktungsrechte an dem Spiel hatte, habe nicht genügend Werbung im Umfeld der Live-Übertragung verkaufen können, heißt es.
Konkrete Verhandlungen mit eurosport
Auf der letzten Ligaversammlung stellte Frank Bohmann die neuerliche Wende in den Vertragsverhandlungen vor. Uwe Zimmers TMS solle als zwischengeschalteter Vermarkter und Lizenznehmer künftig zwischen der Bundesliga und dem DSF stehen. Mit einem durchaus seriösen Schweizer Firmenkonsortium will Zimmer das Geschäft absichern, dass der Bundesliga jährlich 500.000 Euro einbringen soll, während das DSF statt einer eigenständigen Produktion nur noch den Sendeplatz zur Verfügung stellt. Zudem will Zimmer die Handball-Bundesliga beim Sender Eurosport unterbringen. Wie aus der Zentrale in Paris vermeldet wurde, sei Heinz Jacobsen bereits in konkrete Verhandlungen eingetreten.
Da aber Zimmer in einem Untervertrag zum eigentlichen TV-Vertrag umfangreiche Rechte eingeräumt werden sollten, etwa die exklusive Auswahl der Live-Spiele, regte sich prompt Widerstand bei einigen Vereinen. So wurde auf der Ligaversammlung beschlossen, dass es keine Zusammenarbeit mit Uwe Zimmer geben solle. "Eine Agentur dazwischen zu schalten ist ja zunächst nichts Verwerfliches, aber mit dem Untervertrag hätte Uwe Zimmer eine einmalige Monopolstellung erhalten", gibt etwa Uwe Schwenker zu bedenken und befürchtet einen möglichen Interessenkonflikt zwischen seiner Tätigkeit als Spielerberater einerseits und Lizenznehmer für einen Teil der TV-Rechte andererseits. Diese Ansicht setzte sich durch, die Ligaversammlung lehnte Uwe Zimmer mehrheitlich ab.
"Dubioser Spielervermittler"
Trotzdem wurde nur zwei Tage nach der Ligaversammlung seitens Frank Bohmann ein Termin mit Uwe Zimmer vereinbart, was - so Bohmanns interne Rechtfertigung - auf einem Missverständnis beruhe. Offenbar hatte er das Votum der Liga anders gedeutet. Damit dürfte der Grundstein für neuerliche Verwerfungen innerhalb der Liga gelegt sein. Zimmer genießt, aufgrund von Mißtönen und Irritationen bei einigen Wechseln, in der Liga keinen guten Ruf, von zwei Vereinen wurde für ihn sogar "Hallenverbot" ausgesprochen. "Dubioser Spielervermittler" ist noch eine der netteren Bezeichnungen, die aus Ligakreisen zu hören war. Sollte der Deal mit Zimmer zustande kommen, drohen einige Vereine, aus der TV-Zentralvermarktung auszusteigen.
Das Vorhandensein einer "Positivliste" beim DSF, eine Zusammenstellung der Hallen, aus denen überhaupt Live-Übertragungen erfolgen sollen und die nur acht oder neun Einträge umfasst, ist ein weitere Streitpunkt. "Wenn nur 5 Vereine übertragen werden, werden wir dem nicht zustimmen", sieht Flensburgs Geschäftsführer Thorsten Storm auch seine Verantwortung für die kleineren Vereine. Andererseits sei es ihm im Grunde egal, wer die Livespiele produziere, solange Handball überhaupt im Fernsehen gesendet würde.
Nur 6 Sonntagsspiele live?
Eine weitere Irritation löste der Vertragsentwurf mit der Rechteagentur SportA aus. Dort ist vertraglich festgehalten, dass über die gesamte Saison nur sechs Spiele an einem Sonntag live übertragen werden dürfen, während das DSF von 13 Liveübertragungen spricht und Frank Bohmann 12 bis 15 Liveübertragungen ankündigte. Entgegen den ersten Verlautbarungen erhält die SportA wiederum die Erstrechte an der Handball-Bundesliga, das DSF muss also bei SportA die jeweiligen Spiele "einkaufen".
Chaos pur in der Bundesliga, das bei den Verantwortlichen der TV-Anstalten nur noch Kopfschütteln auslöst. "Mit Uwe Schwenker als Verhandlungspartner wären wir schon im Mai mit dem Vertrag durch gewesen", sagte etwa ein an den Verhandlungsrunden maßgeblich beteiligter Mitarbeiter eines TV-Senders. "Nichts von dem, was uns noch Anfang des Jahres versprochen wurde, wurde umgesetzt", fühlt sich auch Klaus Schwarze vom WDR in seiner Einschätzung bestätigt, der die Vielstimmigkeit der Bundesliga schon seit Jahren beklagt. Mittlerweile werden die Rufe nach einer Rückkehr von Uwe Schwenker in eine Führungsposition der Liga lauter. Am Rande des Bundesliga-Cups in Braunschweig am vergangenen Wochenende wurde er geradezu bekniet, sich wieder stärker zu engagieren. Mit seinem Rückzug ins Schneckenhaus, so auch ein Vorwurf an Kiels Manager, sei niemandem gedient.
Für ein neuerliches Engagement ist es aber nun, eine Woche vor Saisonstart, ohnehin zu spät. Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Auf der Webseite des DSF wurde mittlerweile im Navigationsmenü unterhalb der Rubrik "Programm" der Eintrag Handball, unter dem bis Montag Mittag noch der Hinweis auf die Live-Übertragung des Supercups zwischen Lemgo und Flensburg zu finden war, entfernt. Da eine vernünftige Planung derzeit kaum möglich ist, verzichtet auch die SG Kronau/Östringen auf eine Liveübertragung seines ersten Heimspiels gegen den TBV Lemgo. Wie der Verein Anfang der Woche mitteilte, findet das Spiel nun definitiv wie ursprünglich geplant am 6. September um 20.00 Uhr statt und nicht bereits am 2. September.
Die Anzeichen auf ein großflächiges Scheitern der Verhandlungsgruppe Bohmann, Hildebrandt und Jacobsen verdichten sich also. Die Chance, den durch die Nationalmannschaft ausgelösten WM-Boom in die neue Saison hinüber zu retten, scheint vertan. So bleibt nur noch die Hoffnung auf die Dritten Programme, die offenbar gewillt sind, verstärkt Handball zu senden. Selbst der NDR hat sich mittlerweile bei den Nordklubs nach insgesamt vier Liveübertragungen erkundigt. Der SWR wird am 27. September - so es denn zu einer Vertragsunterzeichnung zwischen der Liga und SportA kommt - die zweite Halbzeit des Landesderbys Kronau/Östringen gegen Pfullingen live übertragen, der WDR möchte bereits eine Woche vorher das Spitzenspiel TBV Lemgo - TuSEM Essen live senden. Den Anfang will offenbar der Hessische Rundfunk machen und am 6. September das Hessenderby Wetzlar gegen Wallau live ausstrahlen. Aber eine Woche vor dem Start der neuen Saison sind das immer noch nur Planspiele, denn gültige Verträge gibt es derzeit nicht.
Frank Bohmann mag sich zu den ganzen Vorgängen nicht mehr äußern "solange die Tinte unter den Verträgen nicht getrocknet ist". Die Sache würde jedenfalls immer runder, mehr kann und will er nicht sagen. In jedem Fall gäbe es ein klares Mandat der Liga, eine weitere Abstimmung innerhalb einer Ligaversammlung sei demzufolge nicht nötig. Fehlen also nur noch Unterschriften unter Verträge. Zwar geht Liga-Präsident Heinz Jacobsen nach einem Bericht des Handelsblatts (Donnerstagsausgabe) davon aus, dass "bis Freitag eine grundsätzliche Einigung der Liga mit dem DSF" vorliegt, was auch dringend nötig ist, da ansonsten der Vertrag mit der SportA nicht unterschrieben werden kann. Aber schon seit Wochen heißt es, "bis Ende der Woche" sei alles klar. Wenn am 29. August die Saison mit dem Spiel Wetzlar gegen Kronau/Östingen beginnt, ist zumindest eines klar: Ein derartiges Durcheinander darf sich die Liga nicht noch einmal erlauben.
Quelle: www.handball-world.de
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