HSG in der GN
Ach, Herr Hartlef, was soll man zu Ihren Artikeln in der GN vom Samstag nur sagen? Vier Seiten zum Saisonstart der Handball-Bundesliga, viele Infos, tolle Grafiken. Und doch: Ich kann mir einfach nicht erklären, welcher Gedanke Sie leitet, wenn Sie Ihre Artikel verfassen. Warum sind sie so oft so gestaltet, dass nach der Lektüre die Vorfreude gedämpft ist, der Erfolg weniger bejubelt wird und der Eindruck verbleibt, das Ihr Glas ganz sicher eins von den halbleeren ist? Keine Titelzeile ohne „aber“?
Es gibt doch immer mindestens zwei Positionen, aus der man eine Situation beleuchten kann, und keine ist zwangsläufig weniger „objektiv“ als die andere.
Sie haben so Recht mit Ihrer klaren Ansage, das mehr Menschen ins Euregium kommen müssen, um das wirtschaftliche Fundament dauerhaft zu sichern. Das es unzählige gute Gründe dafür gibt, sich von der Faszination Bundesliga-Handball anstecken zu lassen, spricht leider nicht aus ihren Zeilen. Stets mahnt ein „aber“...
Glauben Sie, dass ein Fußballfan die Liga und die Spiele wirklich als langweilig empfindet, weil ein Verein die absolute finanzielle Übermacht hat? Haben Sie das in einer Kurve „auf Schalke“ auch schon einmal so empfunden?
Ist Spitzensport langweilig, wenn man nicht selbst zu der Handvoll von Vereinen zählt, bei denen ein finanzielles Polster fast jeden Spielerwunsch erfüllbar macht? Ist es nicht eher eine der spannendsten Herausforderungen, sich immer wieder neu mit den Besten zu messen, ihnen ihre Grenzen aufzuzeigen und ein respektierter Gegner zu sein, der für jedes Team böse Überraschungen parat hat? Wer kann denn wahre Sensationen bieten: Die am besten aufgestellte Mannschaft, oder die, von der man es eben nicht sowieso erwartet?
Ist der Anspruch wirklich reduziert, wenn die Plätze sieben bis 10 mit 5 neuen Spielern anstelle des Platzes 6 mit einer eingespielten Mannschaft angepeilt werden? Kann man hier nicht eher erleben, wie eine Kampftruppe zusammenwächst und sich immer besser auf einander einstellt; die Leistungssteigung klar abzusehen ist?
Ich habe dreitausend Menschen im Euregium gesehen, die beim Spiel gegen Hamburg alles erlebt haben: Sie haben mitgefiebert und mitgezittert, sie haben geschrien und gejubelt, sie haben die Einladung der HSG angenommen und sich auf eine echte Achterbahnfahrt der Emotionen mitnehmen lassen. Und sie haben alle gesehen, dass bereits im ersten Bundesligaspiel einer der „reichen“ Favoriten erst in der letzten Minute mit Mühe das Spiel für sich entscheiden konnte. Ich bin mir sicher: Keiner ging mit dem Eindruck nach Hause, der Abend hätte sich nicht gelohnt und wäre kein Erlebnis gewesen. Die Fans brauchen ihre Ansprüche an spannende Spiele jedenfalls nicht zu reduzieren. Da gibt´s kein aber.
HSG Nordhorn 2008/2009. Es gibt kein zweites Team wie dieses.
Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Cat« (27. August 2006, 19:57)